Fragen über Fragen

Wenn ich an meine Vorfahren denke, die leider nicht mehr leben, kommen mir so viele Fragen in den Sinn.

Ich hätte gerne meinen Urgrossvater Heinrich gefragt, wie es damals war, als er 1939 mit seiner Trompete in Lichtensteig den Krieg ausgerufen hat. Ich würde ihn fragen, was er dabei gefühlt hat. Schliesslich hatte er ja 1914 bis 1918 schon den ersten miterlebt. Ich würde ihn fragen, ob er Angst hatte.

Meine Urgrossmutter Rosa würde ich über ihre Jahre in Berlin in den 40ern befragen. Ich würde mehr über ihren ersten Mann, den geheimnisvollen Italiener, wissen wollen. Ich würde sie fragen, wie es ihr erging, so als zweite Frau meines Urgrossvaters, so kurz nach dem Krebstod meiner Urgrossmutter Anna. Und ich würde wissen wollen, warum sie all die Jahre Paula so schlecht behandelt hat.

Meine Urgrossmutter würde ich fragen, wie sie Heinrich kennen- und lieben gelernt hat. Mich nähme wunder, wie hart sie arbeiten musste. Ich würde sie nach meiner Grosstante Nelly fragen. Ich würde Anna fragen, wie es ihr danach gegangen ist. Anna litt an Brustkrebs. Ich würde sie fragen, wie ihre Behandlung damals von statten ging.

Fragen über Fragen, die ich niemandem mehr stellen kann, weil sie alle schon tot sind. Sie fehlen mir.

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