Flurphantasien

Der Flur war mir schon als Kind nicht geheuer. Er war dunkel, feucht, voller Spinnen, im Winter gefroren und im Sommer roch er nach Moder. Die Wände sind aus Holz, in einem schmutzigen Türkis gestrichen. Auf der linken Seite hängt eine alte Garderobe.

Seit Februar freue ich mich darauf, dieses dunkle Loch endlich weiss zu streichen. Anfangs hab ich etwas Schiss wegen der Spinnweben und der Spinnen. Doch ich beisse mich durch. Ich klebe alle Leitungsrohre ab, die Ränder, die Lichtschalter und bedecke den Steinboden mit einer Blache. Dann fange ich an zu streichen.

Ich empfinde ein Gefühl der Erneuerung. Mit einem Mal leuchtet der Flur in einem seltsamen Weiss. Die Decke lasse ich so, wie sie ist. Das Holz saugt die Farbe auf. Alles wirkt mit einem Mal grösser. Ich streiche auch die von Opa selber angebrachte Holzwand. Nun ist auch sie weiss.

Es ist seltsam, etwas so altes zu renovieren. Ich tue es mit Respekt, aber auch mit dem Willen, zu verändern. Es bereitet mir Freude, in unseren Ferien weiter am Haus zu arbeiten, denn nur so habe ich die Ruhe und die Zeit, mir alles genau anzusehen, zu entscheiden und Ideen zu entwickeln.

Ich bin nicht unglücklich, dass wir nicht wegfahren, denn das Haus macht mich glücklich. Ich liebe es, in der Stube oder auf der Terrasse zu sitzen und mich daran zu erfreuen, dass alles schöner wird. Und eines weiss ich genau: bei unserem mittlerweile 176jährigen Haus brauche ich nie Angst zu haben, dass jemals ein Ende der Aufgaben in Sicht ist, nicht so lange ich lebe und das Haus steht.

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Hausträume

In unregelmässigen Abständen träume ich davon, wie ich das Haus räume. Das sind jeweils sehr anstrengende Nächte, denn am nächsten Morgen tut mir alles weh. Es scheint so, als würde ich nachts das tun, was ich mir tagsüber wünsche.

Einmal mehr räumte ich die Winde auf. Sie ist komplett leer und ich kann endlich überprüfen, wie die Wände gebaut sind. Ich entsorge unpassende Regale, Müll und stehe vor dem kleinen Raum, der vor 175 Jahren wahrscheinlich als Abtritt gebaut worden war. Jahrelang hat meine Oma in diesem Raum Reinigungsgeräte aufbewahrt. Jetzt stehen alte Koffer darin herum.

Im Traum trage ich sie heraus auf die Terrasse, wo alles zu Staub zerfällt. Ich putze die Fenster, sauge den Boden und streiche die Wände. Ich will Helligkeit.

Mit einem Mal bin ich wieder wach. Heute werde ich nicht zum Haus fahren. Ich arbeite. Aber an die hellen Wände werd ich denken.