Über die Liebe

Liebe bedeutet für mich tiefe Verbundenheit. Vertrauen zum anderen. Mitgefühl für die Lebenssituation, in der der andere ist. Menschliche Nähe.
Liebe bedeutet für mich nicht, mit dem anderen Menschen einfach mitzuleiden. Aber manchmal, in schweren Zeiten, ist diese Unterscheidung schwierig.

Das Gefühl, den anderen zu verlieren, verunsichert mich. Ich bin keine Freundin von Trennung und Loslassen. Am liebsten wäre mir doch, wenn alle meine Lieben, mein Bruder, meine Mutter und alle meine Grosseltern noch da wären. Wenn ich mich nie von ihnen hätte trennen müssen.

Loslassen müssen löst in mir Angst aus. Ich will nicht verlieren, sondern lieber behalten. Jemand sagte mir mal, während ich trauerte: „So ist das Leben.“

Ja. Ganz klug. Weiss ich doch selber. Aber so einfach ist es nicht.

Zuzuschauen, wie die eigenen Eltern, man selber, altern, ist nicht gerade das höchste der Gefühle. Omi damals altern zu sehen, war eine gute Sache. Sie nahm es mit Humor. Sie fand ihren Halt im Glauben an Gott, und das alles so kommt, wie es muss.

„Es hat alles seine Gründe“, sagte sie, als meine Mutter starb. Sie sagte das nicht beiläufig, sondern in vollem Ernst, um mich zu trösten. „Wir wissen jetzt noch nicht, was es bedeutet. Wir kennen nur das Gefühl.“ Omi hatte wie immer Recht.

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Durcheinander

Seit einigen Tagen ist mein Vater (wieder) im Spital. Ich mache mir Sorgen um ihn.
Ich bemerke, dass es mich stark mitnimmt, dass er an Schmerzen leidet.
Ich fühle mich ohnmächtig.

Seine Krankheit rührt an die Ängste, die ich wohl aus frühester Kindheit kenne:
ein absolutes Gefühl von Verlassenheit. Die Angst, ihn (auch noch) zu verlieren.
Damals, als ich zwei Jahre alt war, starb mein Bruder und mit ihm verschwand meine Mutter.
Nach seinem Tod war sie nicht mehr derselbe Mensch.
Papi aber war immer für mich da.
Wir gleichen uns.

Mir fehlen seit Tagen die Worte, meine Gefühle auszudrücken.
Ich hab das Gefühl, dass ich nach Omis Tod dünnhäutiger geworden bin.
Es scheint mir so, als ob ich nur mehr langsam trauern und verarbeiten kann.

 

Dieses Photo drückt mein Gefühl passend aus: Von all diesen Personen auf dem Photo leben nur noch Papi und ich. Und irgendwie hab ich den Eindruck, als ob er mich auf dem Bild vor all den Dingen, die unsere Familie noch erwarten, beschützen wollte. Es ist das letzte Bild vor dem Tod meines Bruders.