Die Sache mit dem chalten Zimmer

Unser „chaltes“ Zimmer war unser Sorgenkind.
Als Omi noch im Haus lebte, diente dieser Raum als Wöschhänki, Plunderraum, Müllablagestelle und Museum für rostiges altes Geschirr. Im chalten Zimmer haben wir Sascha und ich damals ebenfalls all jene Dinge gelagert, die wir wegschmeissen wollten. Wir haben uns seit dem Umzug wenig darum geschert, wie der Raum aussieht, weil wir einfach zu wenig Zeit hatten.

Über diesen Raum wussten wir nur wenig. Offenbar war der ganze Hausteil irgendwann im letzten Jahrhundert einfach aus Holz ans Haus angebaut worden. Der Verwendungszweck war uns unklar. Fest stand nur eines: als Wäschetrocknungsraum ist er perfekt.

Der Raum war mit türkisfarbener, verblichener Farbe gestrichen. Die Farbe machte den Raum dunkel und ich mochte sie nicht, obwohl ich grün sehr mag.

Am Wochenende fingen wir damit an, langsam alles auszuräumen. Ich wusste, ich würde mich von neuem entscheiden müssen, was ich entsorgen will. Die Schirmsammlung von Omi wollte ich eigentlich behalten. Dank meines Vaters, der einen davon für sich aussuchen wollte, war mir dann rasch klar, dass die Schirme wirklich alle reif für den Müll sind.

Wir zerlegten einen alten Kleiderschrank, der mich schon länger genervt hat. Auf dem alten Waschplatz unten türmt sich nun langsam ein Haufen, den wir dann in die Mulde tun.

Am Montagmorgen in der Früh fingen wir an mit schleifen. Wände schleifen ist eine tolle Sache. Man schwitzt wie ein Esel und danach vibrieren einem noch länger die Hände. Die Katze mag das. Wir saugten den Raum und rieben die Wände ab.

das schreckliche Grün

mit Maske

Heute sollte die endgültige Verwandlung stattfinden: wir strichen die Wände weiss.

Während es draussen immer heisser wurde, blieb unser chaltes Zimmer verhältnismässig kühl. Es machte Spass, langsam und Schritt für Schritt den Holzwänden ein neues Antlitz zu verleihen.

Ein paar Stunden später, die Farbe war nun getrocknet, machten wir uns an den schwersten und ekligsten Teil der Arbeit: wir verschoben erst einige schwere Möbel und wollten drei Teppiche rausreissen.

die verschiedenen Lagen Linoleum

Doch als die Teppiche weg waren, kamen drei Lagen uralten Linoleums zum Vorschein, darunter einer der Firma Williamson aus Lancaster. Wir rissen auch diese Teilstücke raus, saugten Staub weg und entdeckten schliesslich den alten Holzboden, der all den Jahren getrotzt hat.

Williamsons Lancaster Cork Linoleum

wie ein Mosaik

Wir wissen nicht genau, wer all die Linoleumstücke gelegt und festgenagelt hat. Vielleicht war es mein Urgrossvater oder die Menschen, die früher hier gelebt haben. Fest steht für uns: in diesem wurde Raum gearbeitet. Anhand der Elektrifizierung gehen wir davon aus, dass hier einst zwei Strickmaschinen standen.

Als wir mit unserem Tagewerk fertig waren, war ich richtig stolz und ein wenig wehmütig, dass Opa diesen Raum nicht sehen kann. Und Omi würde ihn wohl nicht mehr erkennen.

danach

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