Vom Reisen und Photographieren

Wenn ich meine gescannten Negative durchschaue, fällt mir auf, wie oft ich als Kind meine Omi Paula photographiert habe.

Schon als ich den ersten Photoapparat geschenkt bekommen habe, wie habe ich mich gefreut, war sie eines meiner ersten Sujets. Ihr liebes Gesicht, ihr schwarzes Haar, das später grau wurde, ihre schönen Hände. Immer nur Paula.

Ich erinnere mich an unsere Reisen. Besonders im Frühling setzten wir uns in den Zug und erkundeten die Schweiz. Wir reisten von Romanshorn bis Stein am Rhein. Dort stiegen wir aus und schauten uns die Stadt an. Das ist nun bestimmt zwanzig Jahre her.

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1999 reisten wir mit dem Zug von Zürich nach Berlin. Es war das erste Mal, dass wir gemeinsam ins Ausland fuhren. Paula war aufgeregt, ich weniger. Ich hatte gebucht. Wir reisten mit dem Nachtzug. Paula fands schlimm. Sie konnte nicht schlafen.

In Berlin marschierten wir herum. Die Stadt, so wie ich sie kennengelernt hatte, gefiel ihr nicht besonders. Wir assen zum ersten Mal Chinesisch. Paula hatte Angst, sich zu blamieren und war sehr froh, dass der Kellner ihr eine Gabel reichte. Stäbchen mochte sie nicht.

Es regnete. Das Brandenburger Tor wirkte dunkel. Wir waren nicht unglücklich, dass wir am Abend wieder zurückreisten.

 

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zora in berlin (800x588)

Paula nahm jeweils meine vollen Filme entgegen und liess sie für mich entwickeln. Die fertigen Photos feierten wir jeweils. Wir trafen uns zum Kaffeetrinken und redeten in bunten Farben über das Erlebte, das sich nun mehr oder weniger verwackelt auf Photopapier zeigte.

Ich vermisse es. Sie hat sich immer gewünscht, einmal mit mir nach Lourdes zu fahren; unsere grosse, gemeinsame Reise. Wir haben sie nie gemacht.

 

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