Nervosität hoch zwei

Mein Nervositätspegel steigt unaufhörlich. Bereits am Donnerstagmorgen fliege ich nach Köln. Das ist das mittlerweile vierte Mal in meinem Leben, dass ich fliege und das dritte Mal innerhalb weniger Wochen. Ich war noch nie in meinem ganzen Leben an einem Anlass wie der Preisverleihung des Grimme Online Awards. Natürlich nicht. Denn eigentlich ist mein Leben ein anderes.

Wirklich schön sind die guten Worte jener Menschen, die mich gerne haben und mir Glück wünschen. Da ist meine Kosmetikerin, die mich seit Jahren toll berät. Meine Nachbarinnen, die für mich wie Schwestern sind, meine ArbeitskollegInnen und Freunde und Freundinnen, die mir feste die Daumen drücken und mich im Alltag so stützen.

Doch neben all der Euphorie sind meine Gedanken bei Paula. Wie es ihr wohl ergeht, während ich nicht da bin? Vermisst sie mich? Was ist, wenn…?

Ich schiebe die Gedanken weg. Ich informiere Omis Beistand, dass ich vier Tage lang im Ausland bin. Für alle Fälle.
Zu gerne würde ich Omi anrufen und ihr davon erzählen. In früheren Zeiten hätte sie Dinge gesagt wie: „Ach, mein Schatz. Du machst das schon. Ich bin so oder so stolz auf dich. Ich hab dich lieb. Vergiss mich nicht!“

Natürlich vergesse ich sie nicht. Denn der Grund, warum ich überhaupt in diese ferne Stadt Köln fahren darf, ist meine Oma. Und ausgerechnet ihr kann ich es nicht erzählen.

Ich muss auch gerade jetzt im Moment an meine Mutter denken. Als 2006 die Uraufführung eines Theaterstücks stattfand, an dessen Buch ich mitgeschrieben hatte, war sie sehr gerührt und sehr stolz. Damals hätte ich nicht gedacht, dass sie bereits ein Jahr später nicht mehr an meiner Seite ist.

Stattdessen werde ich meinen Vater und seine Frau anrufen. Denn sie sind noch da.

Hausträume

Letzte Nacht träumte ich mal wieder einen jener absolut verwirrenden Träume vom Haus.

Ich half Sachen aus dem Haus tragen. Es sollte geräumt werden. Eine grosse Mulde, Lastwagen standen vor dem Eingang, und das, obwohl kein Durchkommen durch die schmale Gasse wäre!

Seltsames geschieht: an mir fliegen Trachten, Herrenanzüge, Sommerkleider aus längst vergangenen Zeiten vorbei. Sie scheinen lebendig, stehen aber doch nur für die Geister meiner Vorfahren. Ich bin irritiert.

Dann bemerke ich, was im Traum geschieht: das Haus wird an jemand anderen als mich verkauft. Alles wühlt sich auf.

Die Sehnsucht ist gross.
Ich sehne mich nach den Schneeglocken im Garten. Ich will den Tulpen beim Wachsen zusehen. Ich träum davon, mich mit der Katze an der Sonne zu aalen. Ich will in meinem Büro unter der Treppe sitzen und schreiben. Sogar den Estrich will ich erforschen. (ich hoffe, da sind nicht zu viele Spinnen!)

Ich würde gerne in der Küche für Freunde kochen. Im Garten grillieren. Hühner züchten, Zucchetti essen aus eigenem Anbau.

Doch jetzt sehe ich zu, wie die Gartenbank meiner Urgrosseltern langsam verfault. Die Wiese wächst. Die Hortensien werden blühen. Sie tun es ohne mich. Ich steh daneben und neben mir. Das nicht-dortsein verfolgt mich bis in die Träume und raubt mir meine Zufriedenheit.

Warum nur?
Wie kann es sein, dass ich so tiefe Sehnsucht nach diesem einen Haus habe?

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