Das Kellerloch

Der Keller war mein Sorgenkind. Er war sehr feucht, sehr dunkel und sehr, sehr ungemütlich.
Wir haben ihn während der letzten Jahre gefüllt mit Sperrgut und Müll, den wir fortlaufend entsorgten. Am letzten Freitag haben wir ihn dann endlich geräumt. Die Mulde wurde mit 850kg! Zeugs gefüllt. Wir waren erschöpft von der Hitze und dem Tragen.

Ein wenig mulmig war mir dennoch. Der Keller war immer Opas Revier. Er hat zwar immer wild geflucht über die Feuchtigkeit, aber gemacht hat er deswegen nichts. Ich nehme an, sie hatten einfach zuwenig Geld dafür.

Gestern kam dann „unser“ Schreiner.
Er hat bereits mein Atelier renoviert. Wir wussten, bei ihm ist der Keller in guten Händen. Er arbeitet schnell, sauber und ist überhaupt ein sehr netter Mensch.

Am Freitagnachmittag, also heute, ist von dem dunklen Loch, in dem meine Grosseltern ihre Tontopfsammlung und anderes aufbewahrten nichts mehr übrig. Sogar das Topfregal, schwarz wie die Nacht und total gruusig, ist verschwunden. Der Schreiner hats für uns entsorgt und dafür bin ich dankbar.

Der Raum leuchtet richtig. Es riecht mit einem Mal weniger feucht. Die Holzdecke ist freundlich und wir können jetzt beruhigt in der Stube herumlaufen, weil wir wissen: der Boden hält.

Photoprojekt März 2014 (56)

Der Raum ist dunkel und recht angeschimmelt. (2014)

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wir stapelten hier alles, was wir entsorgen mussten. Es müssen mehrere 100 Kilogramm gewesen sein. (2014)

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„Unser“ Schreinermeister ist an der Arbeit. (Juli 2015)

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die alten Bretter werden entsorgt (Juli 2015)

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Haussorgen. Hausfreuden.

Vor einigen Tagen fand die Elektrizitäts-Sicherheitsprüfung in unserem Haus statt. Ich war gelinde gesagt unruhig.
Schliesslich ist diese unsere Hütte über 175 Jahre alt und ich war mir nicht sicher, ob die letzten 20 Jahre wirklich alles immer rund in Sachen Montage lief.

So kam denn am letzten Mittwoch auch die beruhigende Entwarnung. Nur Kleinigkeiten müssen erledigt werden. Das bedeutet: wir müssen nicht grade ein Vermögen in neue Leitungen investieren. Das beruhigt mit sehr.

Am selben Tag kam auch unser Schreiner vorbei. Uns war aufgefallen, dass im Keller immer wieder gelbes Pulver aus den Balken rinnt. Die Lösung war/ist einfach: Vor vielen Jahren wurde Sand (und viel anderer Plunder) als Isolationsmaterial zwischen die Balken gestopft. Die Balken im Wohnzimmer sind noch immer stabil.

Es ist ein seltsames Gefühl, jetzt hier in der Stube zu sitzen und zu wissen, dass unter meinen Füssen ein Gemisch aus Sand und Holz zwischen den Balken liegt. Dennoch fühle ich mich hier im Haus, trotz Hochwassern und Gewittern, sicher,

Gestern begann der eine Rosenstock zu blühen. Die Blüten sind von leuchtendem Pink. Es ist das erste Mal, dass ich sehe, wie schön er ist. Ich bin dankbar.

Zieh dich warm an, Kind!

Die Winter mit Omi waren jeweils kräftezehrend. Als Kind fror ich oft am Morgen, bis Opa den Ofen angeheizt hatte. Warme Kleidung war gefragt und so liefen wir alle gut verpackt im Haus herum. Nachts kuschelte ich mich in ein Schaffell ein und die Kälte verschwand.
„Leg di warm an, Chind“, haben Omi und Opa oft zu mir gesagt.

Wollsocken trage ich auch heute wieder. Denn es braucht seine Zeit, gerade nach einem Tag auswärts, bis es wieder warm ist im Haus.

Nach bald drei Wochen am neuen Lebensort komme ich nun endlich dazu, mein Atelier einzuräumen. In diesem Raum herrscht Kälte. Ich werde mit einem Elektroofen heizen müssen. Noch habe ich keinen Plan, wie ich die Kisten umschichte und die Regale herumschieben werde. Ich weiss nur, wo mein Schreibtisch stehen wird: am Fenster mit Blick in den (verschneiten) Garten.

Vor dem Fenster liegen grosse Steine. Sie sind schneebedeckt. Der Schreiner hat sie beim Renovieren des alten Bodens hervor geholt. Langsam schmilzt der Schnee und ich kann sie endlich bewegen. Schade, habe ich kein Bild machen können, wie sie da unter den Brettern lagen. Die Bauweise von 1839 erscheint mir fremd.

So ziehe ich mich heute also sehr warm an und freue mich darauf, wie sich mein Atelier in einigen Stunden zeigen wird.