Opas Stimme

Ich denke oft an Opa Walter. Seine feine Art fehlt mir. Er war ein sensibler, zarter Mann. Er hatte leuchtend blaue Augen und blondes Haar. Er rauchte viel und trank nicht wenig. Rosé mochte er. Er sprang Toggenburger Dialekt, wobei man ihn nicht immer verstand. Er nuschelte ein wenig, weil er schon in jungen Jahren seine Zähne verlor.

Ich benütze seine Werkzeuge. Seine Kübel. Ich bepflanze den Garten, den er nicht besonders mochte. Ich stehe manchmal abends mit verschränkten Armen auf seinen Lieblingsplatz. Mein Blick fällt in den Bach. Das Plätschern beruhigt. Der Bach klingt heute noch so wie damals, als ich ein kleines Mädchen war.

Öfters in letzter Zeit wünsche ich mir unsere Gespräche über Politik zurück. Er erzählte mir an jenen Abenden in den Ferien viel. Es scheint mir heute noch so, dass er noch sehr viel mehr hätte sagen können. Über den Krieg. Die Ungerechtigkeit.

Ich glaube nicht, dass er vom Leben enttäuscht war. Das Leben hat ihn zwar recht verseckelt, aber er war nicht nachtragend. Dass der Krieg seine Jugendträume zerstört hat, sah er ihm nach. Das Leben ist nicht gerecht, meinte er lapidar. Als er älter wurde und immer wieder im Zuge der Spinnereikrise seine Arbeit verlor, wurde er traurig. Er zog sich in seinen Keller zurück.

Als er im Sterben lag, hat er nicht gewettert. Er bat jene Leute um Verzeihung, die er im Leben verletzt hatte. Das beeindruckte mich damals mit knapp 20 Jahren sehr. Ich vermisse seine Stimme, sein Lächeln und seine Witze.

Gestern ging ich an einer Beiz im Toggenburg vorbei. Einige sehr alte Männer redeten miteinander. Ich lächelte und schloss die Augen. Das war Opis Dialekt.

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Blogstöckchen. usw.

Ich liebe Fragen über alles. Wenn ich welche gestellt kriege, wie die hier von @slartbart, kann ich nicht widerstehen…

1. Was war dein bisher bestes Online-Erlebnis?
Da gibt es sehr viele… Ich habe mich bisher immer nur online verliebt. Diese Beziehungen sind und waren dann auch für längere Zeit standfest. Ich habe beispielsweise über die Plattform „Novemberschreiben“ von Fatima Vidal sehr viele schreibende Frauen und Männer (darunter auch meinen Liebsten) kennengelernt. Diese Freundschaften halten auch nach über sieben Jahren.
Über Twitter habe ich viele hochinteressante und kluge Männer und Frauen kennengelernt. Im RL wäre das wohl nicht so schnell passiert.
Dann wären da die Reaktionen auf meinen Blog „Demenz für Anfänger“. Hier habe ich Kontakte zu vielen Gleichgesinnten geknüpft und es hat mir sogar ein Interview mit einer Zeitung eingebracht.
Zu guter Letzt ist für mich das Zustandekommen der gedruckten Form meines Buchs ein totales Online-Erfolgserlebnis. Ohne die Hilfe von Menschen, mit denen ich über Twitter und Facebook Kontakt habe, wäre dies nie möglich gewesen.

2. Was war dein bisher übelstes Online-Erlebnis?
Natürlich gibt es Anfeindungen oder Streit; das ist menschlich. Schade finde ich es eigentlich nur, wenn Bekanntschaften wegen unterschiedlicher politischer Haltungen auseinander gehen. Aber das liegt wohl nicht am Web, sondern am menschlichen Sein als solches. 😀

3. Wann hast du zum letzten Mal einen Fax benutzt?
Ich habe bisher noch nie in meinem Leben einen Fax benützt.

4. Welchen Online-Promi möchtest du mal persönlich kennenlernen?
Ganz klar: Grumpycat. Die würde ich fürs Leben gerne mal so verknuddeln, dass ihr der Sabber aus den Mundwinkeln läuft…

5. Was möchtest du am liebsten online erledigen können, was heute noch nicht möglich ist?
Ist heute nicht alles möglich?

6. Was würdest die nie online abwickeln?
mein eigenes Sterben.

7. Wärst du bereit deine Gesundheitsakte online zu verwalten (und wenn nein, warum nicht)?
Ja natürlich wäre ich dazu bereit; ich würde es aber nicht jedem empfehlen.

8. Was wird am Web am meisten überschätzt?
Ich beobachte immer wieder, wie viele Menschen diesem Internet unglaublich viel Macht zuschreiben. Natürlich vergisst das Web nie, aber die absolute Paranoia kann ich nicht immer nachvollziehen.

9. Wie schaffst du es, dass du dich mit dem Web nicht zu fest ablenkst?
Ich arbeite sehr unregelmässig. Das Web ist gerade, wenn ich mal Feierabend habe, ein gutes Ablenkungsmittel, neben dem Schreiben. Während meiner Arbeitszeit bin ich twittermässig nicht online.
Zudem lebe ich mit einer Katze und einem Mann zusammen, da kommt die Ablenkung ganz von alleine.

10. Wenn du Twitter und Facebook mit einem Essen beschreiben müsstest, was würde in der Menükarte stehen?
Twitter ist für das Essen an der Sushibar. Kleine Schälchen fahren an mir vorbei und ich nehm mir raus, was mich grad anmacht.
Facebook hingegen ist für mich wie so eine riesige Picknickwiese. Bunt. Verrückt. Witzig.

Hier sind meine zehn Fragen zum Thema „Online“

1. Wie beurteilst du die heutigen Möglichkeiten, einen Partner oder eine Partnerin online zu finden?

2. Welche Form online zu sein, ziehst du vor?

3. Welche Form gefällt dir gar nicht?

4. Wie siehst du das: gibt es in zehn Jahren noch gedruckte Zeitungen?

5. Wie würdest du einem Politiker die Vorzüge von Social Media näher bringen?

6. Wie würdest du deinen Kindern deine Online-Erfahrungen von 2013 erklären?

7. Welche Chancen ergeben sich online für Menschen über 60?

8. Was hältst du vom Ausdruck „digitale Demenz“?

9. Denkst du, dass man auch ältere Menschen in Sachen Internet schulen müsste (genauso wie heute Kinder?)

10. Wie schätzst du den politischen Einfluss aufs Internet ein?

Die Männer und das Kind

Der zweite Weltkrieg war in meiner Kindheit, die Ende der 70er bis Ende der 80er Jahre stattfand, allgegenwärtig.

Walter, mein Grossvater, war blutjung und unterernährt eingezogen worden. Er hatte wohl Glück und wurde Militärmusiker. Die Bilder von ihm auf dem Pferd, die Trompete in der Hand, haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

Walter war in Sachen Krieg unbarmherzig und klar. Nie wieder Krieg. Das war sein Credo. Meine Mutter erzählte, dass er ihr den Hintern versohlte, nachdem sie seine Sammelbuchreihe über den Krieg angeschaut hatte. Er wollte nicht, dass sie tote Menschen sieht.

Opa Walter und ich diskutierten sehr viel. Paula meinte mehr als einmal: „Seid ihr schon wieder am Politisieren?“
Ich erinnere mich nicht mehr daran. Opa und ich stritten leidenschaftlich, obwohl wir mehr als einmal der selben Meinung waren.

Opa und ich schauten fürs Leben gerne den Ziischtigsclub und Arena. Opa stand meistens da, mit Pfeife im Mund, mit blitzenden knallblauen Augen, im Blaumann an den grünen Kachelofen gelehnt und brummelte. Seine Stimme, seine lakonischen Kommentare habe ich heute noch in den Ohren.

Der Höhepunkt der politischen Streitereien war jeweils an Weihnachten erreicht. Paula und meine Mutter protestierten lauthals beim Vorbereiten des Weihnachtsessens und bestanden darauf, dass „die Männer und das Kind“ in die Stube „zum Politisieren“ gehen. Dies taten wir auch. Ich habe das so sehr genossen.

Vielleicht reagiere darum heute manchmal genervt, wenn ich mitbekomme, dass gewisse Männer einer Frau (mir!) nicht zutrauen, eine eigene Meinung zu haben. In meiner Familie habe ich das nie erlebt. Dafür bin ich sehr sehr dankbar.

Menschen mit Demenz als Kostenfaktor und Geldquelle

Natürlich hab auch ich die Fernsehbeiträge und Zeitungsartikel der letzten Tage verfolgt. Ich sass ein wenig geschockt da.

Das blödste, was man als Aussenstehender tun kann, ist es, den Entscheid einer Familie, den Angehörigen in Thailand pflegen zu lassen, zu kritisieren. Deshalb werde ich dies nicht tun.

Was mich allerdings stört, ist die Tendenz, dass Gemeinden und gewitzte Geldgeber überprüfen wollen, was sie alles an dementen Patienten outsourcen können.

 Hueresiech! Das sind Menschen! Keine Alleebäume aus der Baumschule!

Ich sage dies von mehreren Standpunkten aus:

Als Enkelin von Paula könnte ich es mir nie, nie vorstellen, sie nicht in meiner Nähe zu haben. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass sie in einem ihr fremden Klima leben könnte. Die Frage, sie nach Thailand oder sonst wohin zu fliegen, stellt sich für mich daher erst gar nicht und darüber bin ich froh.

Als Betreuende vertrete ich den Standpunkt, dass Sprache, Kenntnisse über die Biographie des Betreuten sowie pflegerisches Grundwissen die Voraussetzung für eine gute Betreuung sind. Natürlich stellt sich in der Schweiz dieses Problem mit grosser Heftigkeit, da immer mehr Menschen immer älter werden. Der Pflegenachwuchs fehlt, weil viele Institutionen in den letzten Jahren geschlafen haben. Über die Finanzierung dieser Pflege möchte ich gar nicht erst sprechen und auch nicht darüber, wie viel Mannstunden in die Verwaltung und Aufzeichnung der geleisteten Tätigkeiten gehen. Da könnte man sehr viel Geld sparen. Aber die schwächsten Menschen ins Ausland zu verpflanzen und gleichzeitig hemmungslos Pflegekräfte aus dem Ausland zu importieren, finde ich äusserst fragwürdig.

Als Bürgerin empfinde ich eine solche Entwicklung als schlimm. Alte, demenzkranke Menschen einfach so mal ins Ausland zu verschiffen, weil es billiger ist, find ich persönlich skandalös. Da hilft auch die Schönfärberei namens „Resort“ nichts. Vielleicht ist meine Haltung hoffnungslos altmodisch, aber ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Grossmütter und Grossväter, Väter und Mütter selber pflegen sollten. Das haben sie verdient. Sie haben die letzten Jahre gearbeitet und zum Wohlstand beigetragen.

Ein wenig von der asiatischen Kultur des respektvollen Umgangs mit alten Menschen könnten wir uns allerdings alle aneignen.