Das Allerheiligen-Grab

Auf meiner heutigen to-do-Liste stand „Allerheiligengrab für Uschi machen“. Obwohl ich nicht gläubig bin, mag ich das Novembergrab am liebsten. Ich kaufe jeweils Heidekraut und ein bemoostes Herz. Es sieht alles sehr schlicht aus und trotzdem schön.

Als ich heute auf den Friedhof kam, traute ich meinen Augen nicht. Uschis Grab war völlig leer geräumt. Alle Pflanzen, die ich gekauft hatte, waren weg. Da ich nicht jede Woche auf den Friedhof gehen kann, achte ich immer darauf, dass ich Pflanzen kaufe, die lange halten, schön aussehen und die ich eventuell nochmals zuhause verwenden kann. Dass NICHTS mehr da war ausser einem Porzellaneichhörnchen und einem kleinen Engel, schockte und verletzte mich. Der grössere Porzellanengel, ein Fliegenpilz, alles Dinge, die meine Mutter zu Lebzeiten gemocht hatte, waren weg.

Ich komme relativ gut klar mit schwierigen Situationen, aber dieser Anblick hat mich verstummen lassen. Ich war so wütend, dass ich am liebsten etwas kaputt gemacht hätte. Es ist nämlich nicht das erste Mal. Ostern 2008 kaufte ich für ihr Grab einen grossen Chrysanthementopf. Dieser war zwei Tage weg. Auf dem Friedhof zumindest war er nicht. Verdammte Sauerei!!

Zum Glück war Sascha an meiner Seite. Er blieb cool, als ich völlig fassungslos vor Uschis Grab stand. Er meinte, dass möglicherweise jemand alles abgeräumt hatte, um Platz für die Blumen der Toten im Grab nebendran zu schaffen. Das half mir noch weniger weiter. Das Grab meiner Mutter ist doch kein Abstellplatz!!!

So bepflanzte ich das Grab meiner Mutter von neuem, Lustlos tat ich das Heidekraut in die Erde und legte das Allerheiligen-Herz aufs Grab.

Wie lange wird das wohl halten?
Tut sich auch daran ein anderer gütlich??

Sascha reagierte zu Hause rasch und rief auf dem Friedhofsamt an. Jetzt bin ich gespannt, was dabei rauskommt…

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