In der Stube

Die Stube in Paulas Haus war immer der zweitwärmste Ort neben der Küche. Hier, in diesem mit Holz ausgekleideten Raum, spielten sich die Feierabende meiner Grosseltern ab. An der Wand neben dem Kachelofen stand das alte Radio, darauf das Telephon. Lange besassen Paula und Walter eines mit Wählscheibe. Das Telephon stand auf einem Deckchen, darunter das Telephonbuch von 1984. Ich glaube, es war ein hellblaues, vergilbt vom Rauch.

Opa stand oft am grünen Kachelofen und wärmte sich dort seine Hände. Er liebte es, Pfeife zu rauchen und die Tagesschau zu sehen. Dann mussten wir Kinder ganz ruhig sein. Opa kommentierte alles. Das Weltgeschehen liess ihn nicht kalt. Seine Verwünschungen und wüsten Flüche bleiben mir unvergessen.

Wir Kinder sassen am Tisch, spielten, schrieben. Mehr als einmal holte Walter seine grosse Enzyklopädie hervor, damit ich sie abschreiben konnte. Wissen war für ihn keine Bedrohung und meine kindliche Art, mir Wissen zu verschaffen, hat ihn immer erheitert.

Ich erinnere mich, dass er mir die Physik näher bringen wollte. Paula untersagte ihm dies. Sie traute der Sache nicht.

Paula stand oft in der Küche und trank Kaffee, während wir Kinder in der Stube spielten. Aber manchmal setzte sie sich dazu, kraulte Barri, den Sennenhund-Mischling und schaute uns einfach zu. Es ist dieses Gefühl des bedingungslosen Geliebtwerdens, das ich jetzt so oft vermisse.

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Barri frass sehr gerne Hundeknochen. Dies tat er mit Vorliebe unter dem Stubentisch. Ich erinnere mich, dass er oftmals nicht alles frass und ich auf dieses furchtbar glibberige Zeugs draufstand und schrie.

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mit Paula und Barri ca. 1988

Der Boden war nicht der sauberste. Aber das hat mich als Kind nie gestört.

Wenn ich heute in die Stube trete, dann sind die Sessel voll von Kisten gefüllt mit Leintüchern, Büchern und Nippes. Es scheint mir, als wäre Paula und alle Altvorderen ausgezogen.

Ich möchte die Fensterläden öffnen, lüften, den Boden saugen, mich hinsetzen. Die Katze an meiner Seite. Die Augen schliessen. Mich am Ofen wärmen. Eine neue Lampe aufhängen. Das Kruzifix meiner Urgrossmutter hängen lassen. Es hängt schon, seit ich denken kann da.

Ich schaue an die andere Wand. Dort stand einst Opas Bett, auf dem er 1997 gestorben ist. Der Raum sollte mir Angst machen, aber er tut es nicht. Das Leben wird wieder in diese Räume einkehren. Das weiss ich ganz genau.

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