Die zweite Mulde

Unsere diesjährigen Sommerferien standen ganz unter dem Motto: „Räumen, renovieren, raus damit!“.

Nachdem wir das chalte Zimmer geräumt und neu gestrichen hatten, den Linoleum rausgerissen hatten und uns über den schönen alten Holzboden freuten, war der Keller (erneut) an der Reihe.

Die Kellerräume waren vor über zwanzig Jahren Opi Walters Reich. Und genau so sah es auch aus: Da standen Regale mit Brettern herum, verrostetes Werkzeug, Kübel und ganz viel Angeschimmeltes. Der Boden ist nämlich felsig und feucht.

Während der ganzen letzten Woche sammelten wir alles, was wir entsorgen wollten, auf dem alten Waschplatz hinter dem Haus. Wir platzierten alte Möbel von Mami und Omi dort, Teppiche, Geschirr und Müllsäcke.

Am Donnerstagmorgen war es dann soweit. Die Mulde wurde geliefert und wir machten uns ans Reinschmeissen. Nach 40 Minuten hatten wir alles, was wir bereits gesammelt hatten, entsorgt. Nun würden die Kellerräume an die Reihe kommen.

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Ich tat mich schwer damit. Ich musste mich nämlich entscheiden, was ich von Opis Sachen behalten wollte. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie sehr er mir fehlt. Dass ich einen Tag zuvor erfahren habe, dass ich im Januar wohl sein Grab räumen muss, machte meine Laune nicht besser.

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Aber ich machte mich mit Saschas Hilfe daran, sortierte, entschied, schmiss weg. Opa hatte eine grosse Menge von Holzbrettchen gesammelt, die wir weder verwenden noch zum Heizen brauchen konnten. Auch der zweite Keller war schnell geräumt. Wir entsorgten Metallteile, die unter dem Dach platziert waren. Und Sascha schmiss das Bett aus dem zweiten Stock.

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Nach einer kurzen Mittagspause hatten wir es schliesslich geschafft. Der Keller ist bis auf die Kartonsammlung geräumt. Ein weiteres Stück Geschichte des Hauses ist verarbeitet.

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Der Tag der Mulde

Ich gebe es gerne zu: ich hatte grossen Respekt vor diesem Tag. Den „feuchten“ Keller, Opas Keller und das „Teppichlager“ im alten Abtrittzimmer zu räumen, hätte ich nie alleine geschafft. Meine panische Angst vor Spinnen behindert(e) mich.

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gestern abend. #hierso

Es führte jedoch kein Weg dran vorbei. Da wir als nächstes den feuchten Keller renovieren lassen wollen, mussten wir endlich die angesammelten, defekten und alten Möbel von Omi entsorgen. Einen grossen Teil haben wir während der letzten Monate erledigt. Die sperrigen Gegenstände hingegen rotteten im Keller vor sich hin.

Wir starteten um 7 Uhr morgens. Ganz im Ernst, ich hab mich verflucht, weil das mein freier Tag in dieser Woche ist und heute einer der heissesten werden wird. Ausschlafen wäre eine Option gewesen. Motiviert hat mich allerdings der Gedanke, endlich wieder mehr Raum zu haben. Mich von all dem altem Plunder zu trennen.

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Stand 7.00 Frisur hält.

Opas Keller zu leeren, war seltsam. Seit 18 Jahren, als er starb, war alles unverändert. Heute haben Sascha alles durchgeschaut und defekte Sachen entsorgt. Wir haben noch immer viel Werkzeug. Nun ist aber endlich ein Überblick möglich, weil wir ALLES zusammengetragen haben.

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nur kurze Zeit später

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aus Opis Keller

Wir finden eine Menge brauchbarer Dinge für die Gartenarbeit, die weder verrostet noch verschimmelt sind.

Als nächstes entsorgen wir behandeltes Holz, das seit März neben dem Hühnerstall bereit liegt. Asseln sind wirklich interessante Tiere!

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noch mehr Müll

Das Teppichlager im alten Abtrittzimmer entpuppte sich ebenfalls als Wundertüte. Wir stiessen neben entsorgungswürdigem Güsel auf einen schönen alten Kinderwagen aus den Vierziger Jahren und einen Davoser Schlitten.

Und so haben wir mit einem Mal mehr Platz für unsere weiteren Pläne und können uns ein besseres Bild vom Zustand des Hauses machen.

Stolz bin ich darauf, dass ich es mit Handschuhen geschafft habe, mit Spinnweben versetztes Holz und anderes zu entsorgen. Für jemanden mit meiner Phobie ist das ein wirklich grossartiges Gefühl.

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fast voll

Renovationsfreuden

Wir sind schon bald fünf Monate hier und haben uns im Haus eingelebt. Nun können wir (endlich) die nächsten Schritte zur endgültigen Entrümpelung planen.

Vor einigen Wochen passierte nämlich folgendes: in unserem Gerümpelkeller, wo noch ein altes Bett und ein zerschlagener Schrank lagern, rieselte gelber Staub von der Decke. Nachdem ich im Dezember im Boden meines Ateliers eingebrochen bin, hatte ich echt Angst, dass uns nun als nächstes gleich die Stube in den Keller einbricht.

Ein Rundgang mit dem Schreiner, der bereits mein Atelier renovierte, zeigte aber anderes auf. Offenbar halten die Balken. Offenbar ist das gelbe Geriesel Sand, der beim Bau des Hauses um 1839 als Isolationsmaterial verwendet wurde. Entwarnung.

Nun heisst es: entrümpeln. So vieles haben wir schon entsorgt. Die grossen Gegenstände hingegen, jede Menge bearbeitetes, altes Holz und das ganze Teppichlager, kommen in die Mulde. Am Freitag entrümpeln wir also zwei Kellerabteile, den Raum mit den Teppichresten sowie das Holz im Garten. Das bedeutet für mich: Spinnenphobie überwinden.

Erst nach der Räumungsaktion kann der Schreiner kommen und erst dann kriegen wir einen elektrischen Anschluss im Keller und können einen Tiefkühler kaufen. Ich bleibe gespannt.

Ab in die Mulde

Das Haus unserer Nachbarin wird seit Montag geräumt. Es ist nur schwer erträglich, Zeuge zu sein, wie ihr Besitz in der Mulde landet. Ein ganzes Leben hat Platz in einem Container. Es ist zudem belastend, dass die Mulde noch immer da steht, selbst wenn an ihrem Haus interessierte Leute vorbei kommen.

Es erinnert mich sehr an die Räumung der Wohnung meiner Mutter. Nur hatte ich da kein Geld für eine Mulde. Ich trug Migros-Tüte für Migros-Tüte die vielen Treppen hinunter in mein Auto.

Ich wusste genau, wenn das Sozialamt die Wohnung räumt, dann darf ich nichts behalten. Meine Mutter bat mich, ihre Sachen aufzubewahren. „Für später“, sagte sie. Welches Später meinte sie wohl? Wir wussten beide, dass sie nicht mehr lange lebt.

So schleppte ich ihren Besitz in meinen Keller. Sie starb wenige Tage, nachdem ich ihre Wohnung geräumt, geputzt und dem Vermieter übergeben hatte.

Mit Omis Sachen war es zum Glück anders. Omi vergass langsam, was sie besass. Ich brauchte ihre Kleider nicht zu entsorgen, denn sie hatte sie ja mitgenommen ins Pflegeheim.

Ich bin umgeben von ihren Dingen, ihren Fotos. Und manchmal hab ich das Gefühl, dass ich sie so nicht ganz verloren habe.

Nachtrag: So lange die Mulde da steht, kommen wir mit dem Auto nicht mehr bis zum Haus.