Konservierte Kindheit

Ich wollte heute eigentlich am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben. Mich ausruhen. Die Weihnachtseinkauferei ist eh nix für mich. Ich hielt es durch. Bis halb zehn. Dann wusste ich, wenn jetzt nicht ins Haus fahre, rege ich mich auf.

Schnell ist das Auto mit Kisten geladen. Weihnachtszeugs. Sommerkleider. Brauch ich hier alles nicht mehr. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir ins Toggenburg. Die Strassen sind frei. Es ist ein Gefühl wie Ferien.

Die Kisten verstaue ich im einen Estrichteil, der langsam voll wird. Heute schleife ich nicht. Zuerst muss der Boden geflickt werden. Ich wage mich an die Küche. Der rote, alte Teppich ist schmutzig. Ich will wissen, wie der Kachelboden darunter aussieht. Wir verschieben Regale. Überall stossen wir auf Holzscheite, Wäscheklammern und Karton. Es ist staubig.

Und dann seh ich den Kachelboden. Er ist wunderschön. Ich putze ihn sorgfältig. Es ist kaum zu glauben, wie gut er erhalten ist.

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die Küche im Sommer 2014

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Küche im Dezember 2014

Wir räumen den Vorratsraum. Mehrere Möbel müssen wir entsorgen. Sie sind defekt, alt und nicht mehr schön anzuschauen. In einem Schrank stosse ich auf das Kinderklavier, das ich bestimmt schon zwanzig Jahre nicht mehr gesehen habe. Ich stosse auf den Topf, den ich als Kind benutzt habe.

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Mir scheint, als hätte meine Oma meine gesamte Kindheit in diesen Mauern konserviert. Nichts, was ich als Kind benutzt oder womit ich gespielt habe, hat sie weggeworfen. Auch die Sachen meiner Mutter hat sie aufbewahrt. Ihre Bücher, ihre Schulsachen, ihre Comics. Alles ist noch hier. Es liegt nun wohl an mir zu entscheiden, womit ich meinen Weg weiter bestreiten will.

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