Hühner, Hunde und andere Tiere.

In Sachen Tiere bin ich empfindlich.
Ich liebe Tiere. Am allerliebsten würde ich gerne Hühner halten. Tauben. Krähen aufziehen. Raubvögel füttern!

Ich wuchs mit jeder Menge Tiere auf. Wir hatten Katzen. Mauzi, Tigi, Negi und wie sie alle hiessen. Sie waren nicht einfach Tiere, sondern Familienmitglieder. Tigi bewachte mich, während ich in meinem Kinderbettchen lag. Mauzi hat mehr als einmal meine Tränen weg geschleckt. Negi kuschelte gerne.

 

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Mit den Kaninchen meines Vaters wusste ich nicht soviel anzufangen, nur soviel: ich ahnte früh, dass es äusserst schreckhafte, sensible Tierchen sind. Eine Narbe an meiner Hand zeugt davon. Keine Kuscheltiere. Aber mein Vater machte mir auch nie Illusionen über ihren Zweck, wenn ihr Leben vorbei war. Wir assen oft das Fleisch unserer Kaninchen. Das störte mich nicht, damals. Ich wusste, wenn mein Vater sie schlachtet, müssen sie nicht lange leiden.

Mein Vater züchtete auch Enten. An unserem früheren Wohnort habe ich mich sehr mit einigen angefreundet. Ich mochte das sanfte Klatschgeräusch ihrer Füsse. Eines Tages brach eine Schafherde aus und zertrampelte alles. Unsere Enten starben. Meine Mutter hat eine kleine Ente von Hand aufgezogen. Ich wäre am liebsten immer dagesessen und hätte ihnen zugehört: meine Mutter, die zärtlich spricht und das Entenküken, das antwortet.

Die Hühner meines Vaters habe ich sehr geliebt. Da war beispielsweise Berta, das Seidenhuhn. Ihr Mann, Berto. Schwarz. Majestätisch! Ein wahrer Gentleman. Dann waren da die Wyandotten. Ich glaube, wir hatten zwei. Die Antwerpener Bartzwerge. Was für ein Wort! Was für wundervolle, liebe Tiere! Als ich noch ein Kind war, hatten wir wachtelfarbige. Ich mochte den Gockel, der vornehm um seine Hühner herum lief. Später kauften mein Vater und seine Frau schwarze. Auch diese Hühner zeichneten sich durch eine unglaubliche Neugier und eine Gutmütigkeit aus.

Schliesslich kaufte mein Vater moderne englische Kämpfer. Diese Hühner, die einst für Hahnenkämpfe gezüchtet worden waren, wuchsen mir sehr ans Herz. Da ich sie täglich füttern durfte, wurden sie rasch zutraulich. Wenn ich mit dem Futtergeschirr in Richtung Hühnerhof kam, sie liefen damals frei herum, kamen sie geflogen.

Vielleicht liest es sich auf den ersten Blick wie eine Szene aus Hitchcocks „Die Vögel“. Sie landeten auf meinen Armen, meinem Nacken, immer gierig aufs Futter. Die feinen, aber spitzigen Schnäbel knabberten alsdann an meiner Haut, niemals bösartig, eher aufmunternd.

Die Idylle meiner Kindheit zerflog, als ein schwarzer Rottweiler zum wiederholten Mal durchs Dorf strich. Sein Herr, ein Nachbar, hatte es offenbar nicht für nötig befunden, seinen Hund an die Leine zu nehmen, beziehungsweise ihm Erziehung zukommen zu lassen. Als er unsere Hühner sah, drehte der Hund durch. Ich erinnere mich an Schreie meiner Mutter, damit wir Kinder uns in Sicherheit begeben. Für die Hühner kam der Warnschrei zu spät. Meine Mutter und mein Vater wollten nicht, dass wir rauskommen. Ich habs trotzdem getan. Der Hund hatte eine Spur der Verwüstung durch unsere Hühnerschar hinterlassen. Er hat die Hühner zerrissen und zerfetzt.
Berto, der tapfere Hahn, verlor einen Teil seiner Krallen, als er mutig versucht hatte, das Untier zu verscheuchen und Berta und die anderen Hühner zu beschützen.

Mein Vater hat den Besitzer des Hundes nie zur Rechenschaft gezogen. Das bedauere ich wirklich sehr.

 

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ca 1983.

 

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 ca 2011

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ca. 1983

 

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2011

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paula und die hunde

in meiner frühesten kindheit war paula eine absolute vierbeiner-hasserin. vor katzen hatte sie angst und hunde fand sie schlimm. ich durfte, wenn ich mit ihr durch die stadt marschierte, niemals einen hund anfassen. zu gross war ihre angst, der hund könnte mich beissen.

als sie dann anfangs der 80er jahre peu-à-peu zu meinem grossvater und den urgrosseltern gezogen ist, war da barri. barri war ein appenzeller sennenhund / schäferhund-mischling, etwas fett und hinkte. er genoss zwar den urgrosselterlichen grossen garten, aber wegrennen war eines seiner lieblingshobbies. und so wurde er eines tages auf der hauptstrasse angefahren.

paula mochte barri anfangs gar nicht. er roch komisch und war sehr verfressen.
als dann die urgrosseltern verstorben waren, zog oma endgültig zu opa. und zu barri. das war der beginn einer schönen freundschaft.

paula und barri verstanden sich nämlich immer besser. ich würde heute sogar behaupten, dass dieser hund paula geliebt hat. paula mochte es zu singen und barri jaulte dazu. paula hängte wäsche auf und barri hockte daneben und schaute zu. paula und walter stritten sich, barri heulte.

auch meine schwester und ich liebten es, mit barri zu spielen, herum zu rennen und seinen scheisshaufen auszuweichen, indem wir drüber hüpften.

in den 90er jahren mussten paula und walter barri einschläfern lassen. er war alt und krank geworden. für meine paula und walter war sein tod wie der eines geliebten kindes. sie wollte keinen hund mehr. nach walters tod freundete sie sich dann mit herumstreunenden katzen an.

heute besuchten wir paula im pflegeheim. als wir uns verabschiedeten, kam sie mit vor die türe, um uns zu winken. wie wir so vor dem eingang des heims stehen, kommt eine 50jährige frau mit langen haaren daher. an der leine führt sie einen putzigen, jungen berner sennenhund. paula vergitzelt fast.
sie jubelt und freut sich, grüsst die frau und den hund.

paula: hoi büsibüsibüsi!!!

der hund bleibt stocksteif stehen und starrt paula neugierig an.

paula: du bist aber ein süsser, lieber, kleiner!

der hund gähnt und schüttelt den kopf.

paula: hoi büsibüsibüsi!

zora: (zur grauhaarigen frau) meine oma hatte früher auch einen sennenhund.

die frau nickt wissend und fordert ihren hund auf, weiter zu gehen.
der hund entscheidet, paula definitiv interessanter zu finden als den befehl

paula: jösses, bist du ein herziger! du lieber, kleiner barri!

die frau zerrt an der leine. der hund sträubt sich.

paula: büsibüsibüsi!

die frau schafft es endlich, den hund fort zu ziehen und verabschiedet sich.

zora: das war ein hund, omi!

paula: ach ja?