Der Herd, der Backofen, meine Familie und ich.

Am nächsten Dienstag wird unser neuer Herd geliefert. Ich bin ein bisschen wehmütig, denn wieder wird nun ein Teil meiner Urgrosseltern und Omi aus dem Haus verschwinden.

Omi hat auf diesem Herd täglich mehrere Liter heisses Wasser für ihren Incarom-Kaffee gekocht. In der Küche hat sie oft für uns Kinder und auch für Opi gekocht: Rösti mit Spinat und Spiegeleiern, gebratenen Fleischkäse für Opi, Gulasch und Teigwaren, Champignon-Plätzli und Buchstabensuppe. Im Ofen buk Omi ihre Frischbackzöpfe und Croissants für uns auf. Sie liebte Gerichte, die sie einfach in den Ofen stecken konnte.

Die Küche war immer das Zentrum des Lebens in diesem Haus. Hier wurden Gespräche geführt, gemeinsam getrauert, getrunken und gegessen. Der Herd war und ist eines der wichtigsten Küchengeräte. Hier kochen wir. In seinem Bauch, dem Backofen, backen wir seit Jahren Brot.

Doch in den letzten zwei Jahren wurde uns auch klar, dass das der Herd es wohl nicht mehr lange macht. Er hat drei Platten, eine geht gar nicht mehr, die eine nur so halb. Der Backofen ist nicht schlecht, hat aber seine besten Tage auch gesehen. Und so heisst es nun Abschied nehmen. Danke, lieber Herd, lieber Backofen für all das, was ihr all die vielen Jahre geleistet habt…

Sascha buk heute seinen letzten Zopf.

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Vom Frieren und Wäsche waschen

Das Haus wärmt sich langsam auf. Ein kleines Wunder, schliesslich stand es fast zweieinhalb Jahre leer. Das Einheizen ist eine Wissenschaft für sich. Sascha lernt es gerade und es scheint ihm Spass zu machen.

Die manchmal vorherrschende Kühle ist ungewohnt. Aber ich glaube, sie härtet ab. Dass ich jetzt gerade stark erkältet bin, deute ich als Zeichen, dass das in Zukunft besser werden wird. Mir wird mit einem Mal auch klar, warum früher Menschen die Abende mit Stricken und Kunsthandwerk verbracht haben. In Bewegung bleiben hält warm.

Ich bin sehr froh, dass unser Herd wieder funktioniert. Bei den Umbauarbeiten in meinem Atelier haben sich offenbar im plombierten Hauptsicherungskasten alle Sicherungen gelöst. Der Elektriker, der gestern vorbei kam, hat uns dann wieder zu warmem Essen (und gewaschener Wäsche) verholfen.

Gestern abend musste ich lange an Paula denken. Meine Dankbarkeit, dass sie nicht mehr hier, sondern im Pflegeheim lebt, ist noch immer gross. Ich erlebe es jetzt ja am eigenen Leib, wie hart der Winter im Haus ist. Doch sie hat es all die Jahre geschafft. Sie kannte aus ihrer Kindheit wohl nichts anderes.

Ich habe ihre Frottierwäsche, die Rasiertücher und Waschlappen nicht weggeschmissen. Sie gehören ins Haus. Als die Waschmaschine lief, schien es mir, als komme sie gleich um die Ecke. Der Duft ihres Weichspülers. Die Leintücher, die sie in der Winde aufgehängt hat. Gebügelt hat sie nie. Mit ihren Wäscheklammern hänge ich all die Putzlappen auf, die wir in den letzten Tagen im Thurgau und hier gebraucht haben. Bunte Farben auf Schnüren, die bestimmt dreissig Jahre alt sind. Zwischen den Balken in der Winde sind alte Wäschebretter festgemacht. Im Frühling können wir damit auf der Wiese unsere Kleider trocknen. Das Haus ist ein Museum und ein Biotop der Vergangenheit.

Noch etwas hat das Leben im Toggenburg: ich sehe von meinem Schlafzimmer aus auf einem von Tannen bewachsenen hohen Hügel. Die Sonne scheint. Keine Spur vom berüchtigten Thurgauer Nebel und es riecht auch nicht nach Zuckerrüben, sondern nach Holz und Schnee.