Ma pièce de résistance

Von allen Räumen im Haus ist das „kalte Zimmer“ mein pièce de résistance, also jenes, mit dem ich mich bisher am schwersten tat. Der Raum wurde angebaut und ist aus Holz. Er ist zugig und so kalt, dass er im Winter problemlos als begehbarer Kühlschrank dient.

Als ich noch ein kleines Mädchen war, standen hier ein uralter Kühlschrank und Omis legendärer Tiefkühlschrank. Rechts hinten befand sich ein kleiner Raum; Barris Hundehütte. Jetzt stehen hier zwei Buffets, ein alter Kleiderschrank, unsere Recycling-Sammlung und über all dem: die Wöschhänki.

Das Tolle an der Kälte, besonders im Winter, ist nämlich, dass Kleider hier blitzschnell trocken werden. In diesem Raum wird mir auch immer wieder bewusst, dass dieses Haus hier einst auch als Wäscherei diente.

Vor anderthalb Jahren haben wir begonnen, Gegenstände zu sammeln, die wir ins Brockenhaus geben oder aber auf einem Flohmarkt verkaufen wollten. Den ganzen Frühling und den ganzen Sommer über konnte ich mich dazu nicht überwinden. Das Geschirr, all die Bücher und Stoffe schienen mir mit einem Mal nicht mehr geeignet, um sie zu verkaufen.

Heute morgen entschied ich mich, die Dinge zu sortieren und zu sortieren. Einige wenige Dinge verschenke ich weiter, anderes möchte ich weiter verwenden und den grössten Teil entsorge ich.

Nochmals nehme ich altes Geschirr in die Hand. Will ich es wirklich wegtun? Es ist Geschirr meiner Urgrossmutter. Augen zu und durch.

Die vielen Teller? Kein Thema! Weg damit!

Eine grosse Terrine mit Goldrand. Geht nicht. Kommt wieder zurück.

In einer Schachtel entdecke ich Mutters Puppen und Clowns. Seit jeher hasse ich Clowns. Ich hab diese Puppen nie weggeschmissen, weil ich dachte, ich muss sie ihretwegen behalten. Heute sind sie in den Müll gewandert. Sascha sortiert Karton, Geschirr und Elektroschrott und bringt alles in den Keller. Wir füllen gemeinsam drei 60lt und einen 35lt Sack Müll, zwei 60lt und einen 35lt Altkleider. Ich bin erstaunt, dass wir noch immer soviel Plunder finden.

Als die Ecke geleert ist, fühle ich mich richtig toll. Jetzt muss ich nur noch frisch streichen. Weiss. Die Balken lasse ich aus. Es wird eine schöne Ecke werden.

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un-zerschlagenes Geschirr

Es ist Ende Oktober geworden. Wir fahren ins Toggenburg. Es ist kälter geworden. Keine 10 Grad mehr. Ich kann den Winter riechen.

Das Haus sieht aus wie immer. Einsam erscheint es mir.
Mein Vater und seine Frau haben letzte Woche die Wiese gemäht. Jetzt liegen Tannzapfen herum. Ich sammle sie ein für den Winter.

Was sollen wir heute im Haus tun, fragen wir uns.
Ich mache mich daran, den Geschirrschrank weiter auszuräumen. Alles ist verstaubt. Die letzten zwei Jahre hat niemand mehr den Schrank geöffnet. Omi Paula hat das Geschirr aufbewahrt, aber nur selten gebraucht.

An Weihnachten und an Ostern nahm sie es heraus. Sie servierte Kaffee, Generoso und Schoggi auf Enziantellern.

So stehe ich da vor Omis Geschirrschrank und tue einen Blick in die Seele meiner Familie. Da steht ein Service, Porzellan aus Bayern, es wird wohl eine Mitgift gewesen sein. Goldrand. eine riesige Suppenschüssel. Alles sehr edel und gebraucht. Blaue Mokka-Tassen aus der Tschechoslowakei. Schnapsgläser. Weingläser. Dann eine ganze Schachtel voller Schnapsgläser. Ich bemerke rasch: in dieser Toggenburger Familie hat man gerne und viel Schnaps getrunken.

Nach zwei Stunden haben wir vier Regale voller Geschirr abgewaschen, abgetrocknet, sortiert und wieder eingeräumt. Es tut mir gut, mich von dem Zeugs zu verabschieden, das ich nicht mehr im Haus haben will. Ich bemerke, dass auch noch etwas anderes passiert: ich werde mich auch von vielen Dingen in meiner jetzigen Wohnung verabschieden müssen. Der Gedanke tut mir nicht weh; er ist viel eher befreiend.