Sommerprojekt 2016: S chalte Zimmer

Wie schon im letzten Jahr planen Sascha und ich auch in diesen Sommerferien, einen weiteren Teil unseres geliebten Hauses zu renovieren. Wir haben hier schon vor einigen Jahren hart entrümpelt. Aber wir haben damals leider nicht alles geschafft.

Der angebaute Vorratsraum heisst bei uns seit Jahren „s chalte Zimmer“. Dieser Raum ist ein Wunder der Toggenburger Architektur!

Im Winter ist er sehr kühl. Denn es gibt hier keine Heizung. Der Anbau ist aus Holz. Die Wäsche trocknet rasch. Gemüse können wir hier auch im Winter lagern, Wein kühlen. Im Sommer ist der Raum noch immer kühl. Er ist schattig. Der Boden besteht aus Holzbrettern.

Das kalte Zimmer wurde immer als Vorratsraum und als Hundehütte gebraucht. Ich kann mich noch dran erinnern, dass Uropa seinen Hund hier im eigenes erstellten Teil-Zimmer schlafen liess.

Mich stören an diesem Raum vor allem die hässlich türkisfarbenen Wände. Ich möchte diese gerne abschleifen und neu streichen. Wir werden den ganzen Kasumpel, der hier herumsteht auf die Terrasse stellen, sortieren, werden Unnötiges entrümpeln und dann gemeinsam mit dem Schreiner schauen, wie der Boden aussieht.

Der Boden bereitet mir am meisten Sorge. Ich verspüre wenig Lust, noch einmal durch ein morsches Brett zu krachen…

Advertisements

Unser Jahr im Haus 2015

Vor ziemlich genau einem Jahr begannen Sascha und ich mit dem Bezug und Umbau des Hauses. Alle meine freien Tage im Dezember haben wir dazu verwendet, unsere Bureaus zu renovieren und zu streichen. Sascha verwandelte das rosa Schlafzimmer meiner Urgrosseltern in seinen Arbeitsplatz. Das war harte Arbeit. Er strich die rosa Decke und die Einbauschränke in beruhigendes Weiss um.

Ich hingegen machte mich an mein Atelier. Das war der lädierteste Raum im ganzen Haus. Er war grösstenteils schimmelig, zu feucht, dunkel, voller Müll. Wir haben ihn langsam geleert und den untersten Boden hervor geholt. Ich schliff mit der Schleifmaschine die ganzen türkisfarbenen Wände ab. Schliesslich strich auch ich die Wände weiss. Die Türe liess ich. Sie ist derart verbraucht, dass sie schon wieder wunderschön ist. Beim letzten Quadratmeter stürzte unter mir der Boden ein. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Haus 176 Jahre auf dem Buckel hat. Die Bretter waren morsch. Über die Festtage konnten wir schliesslich nicht mehr an diesem Zimmer arbeiten und warteten, bis unser Schreiner Zeit hatte. Er entfernte nicht nur die Bretter und setzte Feuchtigkeitssperren ein, nein. Er entnahm dem Boden auch noch riesige Steine, auf denen man damals die Bretter gelegt hatte. Sie liegen nun im Garten und sehen täglich die Sonne.

Wenige Tage vor unserem Umzug im Februar war das Atelier fertig umgebaut. Der ursprüngliche Charme von Uropas Werkstatt ist geblieben.

Nach dem Umzug haben wir hauptsächlich entrümpelt. Wir sind noch immer nicht ganz fertig, weil wir immer wieder Dinge finden, die weg müssen. Aber wenigstens haben wir aussortiert. Wir wissen jetzt, wieviele Gartengeräte wir besitzen, wieviel Werkzeug und wieviel Eimer. (12!)

Der Frühling war beherrscht von den Gartenarbeiten. Unser Rasenmäher stellte sich als ziemlich zickig heraus, aber nach einem Besuch beim Rasenmäherdoktor tut er jetzt brav seinen Dienst. Es macht mir grosse Freude, den Rasen zu mähen. Es ist eine harte, laute, aber auch genaue Arbeit.

Im Sommer durften wir erste Früchte aus dem selber gegrabenen Garten ernten. Omi hat ja damals den ganzen Garten einfrieden lassen. Ich hab im Sommer mit Schaufel und Harke wieder neue Beete ausgehoben. Dank der Feuchtigkeit aufgrund des Bergdrucks wuchs so ziemlich alles hervorragend. Die Johannisbeeren haben sich ebenfalls wunderbar entwickelt. Ihnen haben die Schnitte der vergangenen zwei Jahre gut getan. Das Haus hat uns in der heissesten Jahreszeit gekühlt. Der Keller war wunderbar kalt, so dass ich mich gerne zurückgezogen habe, wenn es draussen unerträglich war.

Unser Haus hat frisch gestrichene Läden, die wir in den Sommerferien bearbeitet und gemalt haben. Sie leuchten jetzt in einem wunderbaren Grün. Das Haus strahlt.

Die Linde hat im Herbst ihr wunderschönes Kleid abgeworfen. Viele Singvögel waren unsere Gäste. Ihnen zuliebe hängen Körnerkugeln und Vogelhäuschen, auf dass sie sich in unserem verzauberten Garten niederlassen und uns mit Gesang und Gestreite erfreuen.

Die Jahreszeiten sind wie im Fluge an uns vorübergezogen und ich kann kaum glauben, dass wir bald ein Jahr hier wohnen. Das Haus macht mich glücklich.

Eine erste Nacht und ein erster Tag

Spätnachts bin ich ins Bett gefallen und eingeschlafen.
Die Katze liess uns im Stich. Es war ihr wohl zu kalt im Schlafzimmer. Es ist anders als im Thurgau. Das Haus braucht einige Tage, bis die Mauern warm sind. Wir müssen uns alle umgewöhnen.

Ich mummle mich in tausend Decken ein. Omi wusste schon, warum sie eine halbe Herde Schaffelle gekauft hat. Leise rauscht der Bach neben dem Haus. Wir schauen auf die anderen Häuser. Von unserem Schlafzimmer aus wirkt alles kleiner. Wir spüren hier unten nicht mal die Bise.

Sascha und ich fahren zurück in den Thurgau und fangen, das Bad zu putzen. Es ist seltsam. Die Wohnung ist fast leer. Es stehen nur noch jene Möbel hier, die wir weitergeben oder aber entsorgen lassen. Entsorgung ist ohnehin ein schreckliches Wort.

Wieder muss ich mich entscheiden: was ist mir noch wichtig? Was ist Gerümpel? Die Schränke sind bald leer geräumt. Fast nichts mehr erinnert daran, dass ich fast fünfzehn Jahre in dieser Wohnung und achtzehn Jahre im Haus gelebt habe.