Glück im Garten

Glücklich war Omi immer dann, wenn sie in ihrem Garten war. Irgendwie wuchs einfach alles, wenn sie es pflanzte. Erdbeeren, Bohnen, Kartoffeln, Salate, Johannisbeeren. Ihre Beete waren makellos.

Vielleicht hat es mich darum vor bald 12 Jahren so schockiert, als Omi von einem Tag auf den anderen einfach ihren Garten platt walzen liess. Die alten Terrassenmauern waren einfach weg. Ich verstand es nicht. Aber für Omi stimmte es. Heute denke ich, sie hat wohl gespürt, dass etwas nicht mehr mit ihr stimmt. Und weil sie ihren Garten so liebte, wollte sie ihn wohl nicht verkommen lassen.

Die Rosen blühen. Es ist, wie wenn nichts wäre. Ich hab heute fast geweint, als ich die vertrockneten Blüten wegschnitt. Ich dachte an Omi. Manchmal sitze ich in meinem Atelier und schaue zum Gartentor raus und denke: Sie kommt nicht mehr wieder. Ich vermisse ihre fröhliche Stimme. Ihr Gesicht, wenn sie mich erblickte und wenn wir uns in die Arme schlossen. Ich vermisse ihr krauses, grauschwarzes Haar, den gebückten, zarten Körper und ihre wunderbar langen Hände.

Ich habe weitere Rosen angepflanzt. Ich will, dass es in unserem Garten blüht. Der Garten soll ein Zuhause für Bienen, Hummeln und Vögel sein.

 

Gartenerde

Im Gegensatz zu 2015, wo ich lange grippekrank darnieder lag und nicht sooooo viel im Garten tun konnte, wie ich es mir eigentlich erwünscht hatte, bin ich dieses Jahr seit Wochen aktiv.

Das lange Blumenbeet, welches ich letzten Sommer gegraben habe, ist gejätet und neu bepflanzt. Der alte Rosenstock ist geschnitten, die Forsythie ebenfalls. Auf ihre Blüten freue ich mich sehr. Auch diese Pflanze ist sehr alt. Da ein Teil ihrer Äste auf dem Hühnerstalldach abgestützt sind, habe ich mich sorgfältig daran gemacht, ihr abgestorbenes Holz zu schneiden und sie davon zu befreien.

Der alte Komposthaufen war mein Pièce de Résistance: Omi Paula hat hier nicht nur kompostierbares entsorgt, sondern auch Joghurtdeckeli, Plastik und vieles andere. Mein Vater hat mir ein Kompostsieb geschenkt und nun siebe ich geduldig die Erde durch. Es ist unglaublich, was da zusammenkommt. Es erschreckt mich auch, wie sich die Demenz ausgewirkt hat. Sie verstand den Sinn von Recycling, was ihr immer sehr wichtig war, gar nicht mehr. Ich bin froh, hat sie den Müll dort und nicht noch häufiger im Dorfbach entsorgt.

Wenn die Erde gesiebt ist, werde ich an jener Wand im Garten das Beet für die Tomaten graben. Ich erinnere mich nämlich dunkel, dass Omi dort immer Tomaten gepflanzt hat.

Ich pflanzte einen Magnolienbaum. Er ist einer meiner Lieblingsbäume. Ich mag die Blüten, die nur für kurze Zeit im Jahr da sind. Meine Freude über die vielen Primeli ist riesig. Genau so sah es hier aus, als ich noch ein Kind war.

Heute werden wir eine Blumentopfwand aufbauen. Ich freu mich darauf, den Garten weiter zu beleben und Gemüse anzubauen. Ich möchte Mosaiken legen und noch viel mehr Farbe aufs Grundstück bringen.

Und vielleicht schaffen wir es ja auch noch, dass hier irgendwann muntere Hühner (am liebsten Antwerpener Bartzwerge, Japanische Seidenhühner und Appenzeller Spitzhauben) herum rennen. Darauf freue ich mich.

 

Photoprojekt März 2014 (4)

so sah es hier 2013 aus.

 

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ich mochte Hühner schon als kleines Mädchen