Schön, dass du da bist!

Es ist Samstag. Samstag ist Omi-Tag, wenn ich frei habe.
Wir kaufen ein, hetzen von Geschäft zu Geschäft. Das Vorweihnachts-Theater lässt mich kalt. Aber im Gegensatz zu Frauenfeld, ist die Wattwiler Migros ein Ort der Ruhe und des Friedens.

Dann fahren wir zu Omis Pflegeheim. Auf den nahen Hügeln liegt Schnee. Das Heim aber strahlt Wärme aus. Wir treten ein. Nach über drei Jahren fühle ich mich hier schon fast zuhause.

Omi sitzt auf ihrem roten Sessel im Fernsehzimmer, vor sich den befüllten und dekorierten Rollator. Sie sitzt aufrecht da mit geschlossenen Augen. Ich grüsse sie sanft. Sie scheint nicht zu schlafen, denn sie schreckt nicht auf. Sie sagt, ohne die Augen zu öffnen: „Schön bist du da.“

Das ist erstaunlich, denn sie kennt mich ja nicht mehr. Ich setze mich neben sie. Auf dem Stuhl neben ihr sitzt eine andere, sehr alte Dame, die friedlich gekrümmt döst. Ein Ort der Ruhe und der Entspannung, denke ich.

Omi hat inzwischen ein Auge geöffnet. Sie jammert ein wenig. Ihr linkes Auge geht nicht richtig auf. Es sieht leicht entzündet aus. Aber da Omi sich nicht erinnern kann, kann sie mir auch nicht erklären, was passiert ist.

Wir reden über dies und das. Einkaufen. Weihnachten. Omi nickt eifrig und antwortet in Sätzen. Sie erzählt vom Hans, der sie grad noch besuchen kam. Hans ist vor vielen Jahren gestorben. Er war ihr Lieblingsbruder. Ich sage: „Den Hans hattest du sehr gerne.“ Omi nickt strahlend und es scheint mir, als wäre es die richtige Antwort gewesen.

Einige Zeit später kommt eine Pflegende ins Zimmer und bietet den alten Menschen Tee an. Sie tut dies auf ruhige und sehr liebevolle Art und ich spüre ihre Wärme und ihre Freude an der Arbeit. Ich frage sie nach Omis Auge. Sie holt eine andere Pflegende.

Diese erklärt mir dann sehr freundlich, was los ist. Omi hat offenbar eine kleine Verletzung am Auge und kriegt seit einigen Tagen Antibiotika-Salbe. Gestern sahs noch schlimmer aus. Aber weil Omi die ganze Zeit in ihrem Auge herumreibt, geht die Besserung halt langsamer vonstatten. Dafür kriegt sie dann eine Piratenklappe. Ha!

Omi sitzt grinsend da, zeigt auf mich und meint: „Das ist meine Schwester.“ Ich lache.
Die Pflegende lacht auch und geht wieder weiter. Da meint Omi: „Ich muss mal.“
Ich möchte jemanden holen, der ihr hilft. Aber Omi winkt ab.
„Ich kann das alleine.“

„Genau. Einäugig. Mit Rollator. Nee. Ich geh dann mal jemanden suchen.“

Einige Augenblicke später habe ich eine andere Pflegende rufen können. Sie kommt sofort zu Omi und hilft ihr. Sie zeigt auf das Buch in Omis Rollator und sagt:
„Ich habs gelesen. Ich kann Ihre Oma jetzt viel besser verstehen. Abends lesen wir manchmal daraus vor und sie erinnert sich wieder.“

Die Frau ahnt nicht, welche Freude sie mir mit diesen Worten gemacht hat. Ich würde sie am liebsten umarmen. Stattdessen bedanke ich mich bei ihr, verabschiede mich bei Omi und gehe mit Tränen in den Augen wieder aus dem Haus heraus.

Werbeanzeigen

11 Fragen und Nominationen meiner liebsten Blogs 2014

Die Sturmfrau hat mir eine Nominierung, 11 Fragen und den „Liebster Award“ zukommen lassen. Das freut mich sehr.

liebsteraward

Sinn und Zweck des „Liebster Award“ ist es, zur größeren Bekanntheit kleiner Blogs beizutragen. Sehr gerne trage ich dazu bei, die mir lieben Blogs weiter zu verbreiten.

Zuerst möchte ich gerne die Fragen von Sturmfrau beantworten:

1. Wie erfahren Sie von neuen Blogs? Wie vernetzen Sie sich?

Ich erfahre von neuen Blogs via Twitter und via Facebook. Dabei verlasse ich mich vor allem auch auf das Gespür meiner Freundinnen. Ich schreibe viel, habe aber nicht immer viel Zeit zum Lesen. Wenn mich allerdings ein Blogtext fesselt, dann bleibe ich dran und lese mich durch Blogposts durch.

2. Was interessiert Sie an den Blogs anderer?

Ich interessiere mich für literarische Texte, die von Herzen kommen und für Fotografie.

3. Das eigene Blog: strikt nichtkommerziell oder offen für die eine oder andere „Empfehlung“?

mein eigener Blog gehört mir. ich möchte ihn noch anfangs Jahr auf eine eigene Adresse übertragen. Werbung mag ich nicht.

4. Was sind Ihrer Meinung nach die größen Schwächen der Kommunikation im Netz (ob nun auf Blogs oder auf anderem Weg)?

Ich persönlich sehe mehrheitlich Stärken. Je länger desto mehr bemerke ich jedoch, dass es wie bei der verbalen Kommunikation rasch Missverständnisse gibt. Um eine Kommunikation reibungslos zu gestalten braucht es zwei Partner, die aufeinander zugehen. Wenn das nicht gegeben ist, funktioniert die Kommunikation nicht oder nur missverständlich.

5. Was sind die größten Stärken?

Ich profitiere am meisten von der Schnelligkeit und der barrierelosen Möglichkeit, mich mit Menschen auszutauschen, die ich sonst nicht getroffen hätte.

6. Ist Bloggen politisch oder privat? Oder vielleicht beides? Warum?

In meinem Fall ist Bloggen immer politisch. Ich kann gar nicht anders, als mich (persönlich) zu äussern.

7. Was macht das Bloggen für Sie wichtig?

Bloggen ist für mich eine Äusserung von Gefühlen, der Beobachtung von Tatsachen und der persönlichen Interpretation von alledem. Bloggen ist für mich immer eine persönliche Sache. Ich erhebe mit meinen Texten niemals den Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern gebe meine eigene Wirklichkeit wieder.

8. Wo verläuft Ihr eigener Tellerrand?

Dieser ist höchstens sprachlicher Natur. Ich spreche weder Russisch, noch Chinesisch, hoffe es, aber noch zu lernen.

9. Blogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Was muss ein Blog haben, um Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln?

Ich muss spüren, dass der/die BloggerIn mit ganzem Herzen mit dabei ist und etwas zu erzählen hat.

10. Zu welchen Themen würden Sie gern mehr lesen? Zu welchen selbst gern mehr schreiben?

Ich bin sehr interessiert an persönlichen, klugen Texten. Ich möchte meine eigenen Blogs (TV Real, Apfelland, Demenz für Anfänger und Bratwurstporno) gerne regelmässig weiterführen.

11. Und zum Schluss: Was bewegt Sie?
Im Moment werde ich nur durch meinen Umzug bewegt. Wenn der durch ist, fallen mir zwei Tonnen Gewicht von den Schultern. Da bin ich mir sicher!!

Die Regeln für’s Weitermachen noch kurz, bevor ich es vergesse:

  • Bitte verlinke mein Blog in deinem Blog (es reicht ein Link im Artikel – es muss ja nicht gleich die Blogroll sein)
  • Nominiere 11 neue Blogger mit weniger als 200 Followern (so sind die Regeln, aber wie viel Follower jemand genau hat, erschließt sich einem ja nicht gleich, also sagen wir mal: eher kleine Blogs erwünscht).
  • Beantworten Sie die Fragen und veröffentlichen Sie sie samt Antworten auf Ihrem Blog.
  • Denken Sie sich 11 neue Fragen aus und reichen Sie sie an die nominierten BloggerInnen weiter.
  • Die Person, von der Sie nominiert wurden, sollte nicht zurücknominiert werden. Kreislauf und so…
  • Alle Nominierten sollten informiert werden (auch hier bin ich der Auffassung, dass die Information via Blog genügen sollte)

Und hier meine eigenen Fragen an Sie/Euch:

  1. Wie kommunizierst du mit anderen Bloggern?
  2. Was interessiert dich an anderen Blogs?
  3. Das eigene Blog: strikt nichtkommerziell oder offen für die eine oder andere „Empfehlung“?
  4. Welche Chancen siehst du für Blogs in den nächsten Jahren?
  5. Was sind die größten Stärken?
  6. Ist Bloggen politisch oder privat? Oder vielleicht beides? Warum?
  7. Was macht das Bloggen für dich wichtig?
  8. Was sind deine Tabus?
  9. Blogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Was muss ein Blog haben, damit er dich interessiert und du neue Posts gerne liest?
  10. Zu welchen Themen würdest du gerne mehr lesen? Welchen Blog würdest du neu eröffnen?
  11. Was bewegt dich?

Wichtig:

Niemand der Verlinkten sollte sich durch diese Nominierung zu irgendwas gedrängt fühlen. Wer die Fragen lieber nicht beantworten oder den Staffelstab nicht aufnehmen und weiterreichen möchte, braucht das auch nicht zu tun. Fühl dich frei, zu schreiben oder nicht!

Alle verlinkten Blogs gelten als ausdrückliche Leseempfehlungen meinerseits.

Sandra ( denkzeiten.com )
Gerri ( gerri3003.wordpress.com )
Bettina ( yseult.mediaevaliter.com )
Jana Denise ( sofasophia.wordpress.com )
Sascha Erni (der Transparenz wegen: der teilt mit mir Bett, Tisch, Klo und Kadse)  ( angrysaschaisangry.com )
Lovey ( schreib-lounge-blog.ch )
Norbert ( nevigeser.blogspot.ch)
Abi ( abhijitbossotto.com )
Sandra ( wortsuche.wordpress.com )
Dani ( etwasanderekritik.wordpress.com )
Florence ( daslebenmitborderline.wordpress.com

was ist die grenze des trauerns?

darf ich um menschen trauern, die noch leben und die mir am herzen liegen?

darf ich traurig sein, weil nichts mehr so ist wie vorher?

darf ich um die vergangenheit trauern, im wissen, dass wenn ich mal älter bin, meine lieben nicht mehr um mich sind?

darf ich schwarz tragen, wenn alles um mich herum bunt ist?

darf ich blau tragen, wenn schwarz erwünscht ist?

darf ich weinen, wenn alle anderen um mich herum lachen?

darf ich lachen, wenn die menschen um mich herum traurig sind?

darf ich lieben, wenn um mich herum die liebe eingefroren scheint?

 

wie soll ich trauern, wenn nichts mehr so ist wie zuvor?

 

wie soll ich in ruhe leben, wenn ich jetzt schon weiss, dass ich später einmal alleine sterben werde?

 

welche farbe darf ich tragen, wenn ich die codes nicht verstehe?

 

wie soll ich mich fühlen, wenn jedes gefühl schon tausendmal gelebt wurde und ich meine noch immer erforsche?

 

wie soll ich lieben, wenn ich weiss, dass am ende gar nichts mehr ist?

 

 

Fragen über Fragen

Wenn ich an meine Vorfahren denke, die leider nicht mehr leben, kommen mir so viele Fragen in den Sinn.

Ich hätte gerne meinen Urgrossvater Heinrich gefragt, wie es damals war, als er 1939 mit seiner Trompete in Lichtensteig den Krieg ausgerufen hat. Ich würde ihn fragen, was er dabei gefühlt hat. Schliesslich hatte er ja 1914 bis 1918 schon den ersten miterlebt. Ich würde ihn fragen, ob er Angst hatte.

Meine Urgrossmutter Rosa würde ich über ihre Jahre in Berlin in den 40ern befragen. Ich würde mehr über ihren ersten Mann, den geheimnisvollen Italiener, wissen wollen. Ich würde sie fragen, wie es ihr erging, so als zweite Frau meines Urgrossvaters, so kurz nach dem Krebstod meiner Urgrossmutter Anna. Und ich würde wissen wollen, warum sie all die Jahre Paula so schlecht behandelt hat.

Meine Urgrossmutter würde ich fragen, wie sie Heinrich kennen- und lieben gelernt hat. Mich nähme wunder, wie hart sie arbeiten musste. Ich würde sie nach meiner Grosstante Nelly fragen. Ich würde Anna fragen, wie es ihr danach gegangen ist. Anna litt an Brustkrebs. Ich würde sie fragen, wie ihre Behandlung damals von statten ging.

Fragen über Fragen, die ich niemandem mehr stellen kann, weil sie alle schon tot sind. Sie fehlen mir.