Sommerwäsche

Omi hat immer gerne und viel Wäsche gewaschen und draussen auf der Terrasse aufgehängt. Schon als Kind liebte ich den Geruch von Omis Weichspüler in den Morgenstunden des Sommers. Omis Schritte. Das Klappern der Wäscheklappern.

Als Omi älter wurde, waren ihr die Hausarbeiten Pflicht und Struktur. Sie wusch noch immer viel Wäsche, obwohl doch nur noch sie im Haus lebte. Eine Nachbarin hat mir vor wenigen Jahren erzählt, wie sie es bewunderte, wie reinlich und engagiert Omi wöchentlich die ganze Bettwäsche gewaschen hat. Und das trotz ihres hohen Alters und ihrer Demenz!

Unser Haus hier war in früheren Zeiten eine Wäscherei.

Ich habe Omis Bettwäsche sortiert aufgeräumt. Ich mag die wunderbaren alten Leintücher, im Sommer sind sie eine Wohltat. Ich kann mich nicht von ihnen trennen. Manchmal schnuppere ich daran und glaube noch den Duft von damals wieder zu erkennen.

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Zügelei Teil 357

Nach dem grossen Schneefall wagten wir uns heute wieder ins Toggenburg. Der Schnee war von den Strassen verschwunden, nicht aber vor unserer Einfahrt.

Eine gute Seele pfadete die Strasse sauber und – deponierte den ganzen Schnee vor unserem Gartentor. Eintreten? Unmöglich. Sascha ist zuerst über den Schneehaufen geklettert und hat eine Schaufel geholt. Ich muss dringend eine Tafel anbringen: „Einfahrt freihalten!“

Für einen Moment lange frage ich mich, ob die das schon so gemacht haben, als Omi noch im Haus lebte. Ich hoffe nicht!

Im Haus packe ich die Kisten aus. Das ist das Gute daran, dass wir langsam umziehen: ich miste aus, räume ein, stelle um. Werfe weg. Es scheint mir wie ein fortwährender Kreislauf.

Dann sortiere ich die Bettwäsche aus. Im oberen Stock liegt auf einer Kommode Wäsche aus Damast. Omi hat sie vor über zwei Jahren bereit gelegt. Mehr als einmal. Immer wieder vergass sie, dass sie sie bereits gerichtet hatte. Ich kann diesen Wäscheberg nicht mehr sehen. Ich will mich von allem trennen, was ich nicht brauchen kann. Alles, was ich nicht mehr brauche, wandert in grosse Koffer, damit meine Freundin, die Textildesignerin ist, sich aussuchen kann, was sie will.

Mit einem Mal halte ich Omis Mitgift-Bettwäsche in den Händen. Sie ist wunderschön. Omis Initialen sind kunstvoll aufgestickt. Ich lege die Wäsche zur Seite. Die gebe ich nicht weg. Der Kissenbezug und der Duvetbezug müssen um die 64 Jahre alt sein, so alt, wie meine Mutter im September werden würde.

Ich hörte wieder auf mit sortieren. Omis Initialen, das liebevoll aufbewahrte Bettzeug, rührten mich. Zudem war es kalt.

Wir probierten den ersten Anstrich in Saschas Büro aus. In vier Wochen ziehen wir hier doch ein!! Es ist noch soviel zu tun! Zuoberst auf der Liste steht der Schreiner, der in meinem Büro die Bodenbretter anschauen soll. Nochmals ein morsches Brett und eine schwarze Spinne überlebe ich nicht! Notiz an mich: Arachnophobie bekämpfen! Dann brauchen wir einen Internetanschluss. Und einen Parkplatz.

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Nebenbei besuche ich Ende Januar eine Weiterbildung und schreibe mein Buch fertig. Die Energien wollen gut eingeteilt sein. Ich mache mir Sorgen, wie wir die Katze friedlich verschieben. Sie spürt genau, dass sich etwas verändert. Sie ist jetzt bald 13 Jahre alt und ich hoffe, sie übersteht das ganze Theater gut. Noms helfen!

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Vielleicht mache ich mir einfach zu viele Sorgen. Ich hab hier im Thurgau so gerne gewohnt. Übergänge sind einfach nicht meine Sache. Ich will in Ruhe an einem Ort wohnen, das Haus dekorieren, nähen und kochen. Kisten packen ist echt nicht mein Ding!

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Nachtrag: in den nächsten Tagen poste ich hier Bilder von Möbeln, die ich verschenke. Es lohnt sich also, dran zu bleiben.