Satt

Ich sitze da, derweil meine Gedanken kreisen.
Ich muss an Omi denken.
Sie fehlt mir.
Ich klammere mich an meine Erinnerungen.
Ihre Stimme.

Sascha und ich haben keine Kinder. Aber in den letzten Jahren ist Omi zum Mittelpunkt unseres Lebens geworden. Geht es ihr gut? Ist sie glücklich? Wie weiter?
Wir haben oft gescherzt: wenn andere ihre Babyfotos zeigen, so holen wir ein Bild von Omi hervor.
Sie war eine der Quellen unserer alltäglichen Freuden.
Ihr fröhliches Wesen, ihre liebe Stimme, ihre freundlichen Augen.

Ich habs nicht geschafft, am Samstagabend in den Gottesdienst zu gehen.
Ich schäme mich.
Ich kann nicht beten.
Die Tatsache, dass sie seit einem Monat tot ist, lähmt mich.

Ich schaffe es nicht, an die Fasnacht zu gehen.
Jegliche Gesellschaft ermüdet mich.
Ich will mich in meinen Tränenkokon zurückziehen.
Lesen. Schreiben. Das interessiert mich.
Reden ist zweitrangig.

Ich bin müde.
Habe Sehnsucht nach dem Frühling.
Ich brauche Blumen. Farben.
Ich bin schneesatt.

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