Ein Traum von Omi

Letzte Nacht träumte ich, endlich mal wieder, von Omi. Plötzlich stand sie da in meinem Traum: Wir sassen in einem chinesischen Restaurant in Berlin. Sie war wieder Ende 60, ich 20. Omi sah aus wie der blühende Frühling und strahlte mich an. Ich dachte: „Du bist doch tot.“ Omi antwortete, während sie mit ihren Stäbchen geschickt Pouletfleisch aus dem Reis klaubte. „Ja, das bin ich.“

Ich musste daran denken, wie sehr Omi darunter gelitten hatte, dass sie nach Opis Tod nicht von ihm geträumt hatte. „Das mag mi“, hatte sie mir damals gesagt und geweint.

Ich strahlte Omi in meinem Traum an. Sie streichelte meine Hand mit ihren langen, eleganten Fingern.

„Ach du Liebe“, seufzte sie. „Ich hab ganz vergessen, dass ich gar nicht mit Stäbchen essen kann.“

Und dann wachte ich auf.

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