Winter im Frühling.

Ich habe längere Zeit nichts mehr geschrieben, was nicht bedeutet, dass nichts in unseren Leben passiert ist. Der Winter ist wieder über das Toggenburg hereingebrochen, es liegt Schnee. Der Garten schläft weiter. Wir füttern weiterhin die Vögel um unser Haus.

Ich arbeite viel. Ich mag meine Arbeit. Aber ich würde auch gerne (mehr) Zeit haben, zu schreiben. Die hab ich nicht. Schreiben ist eine Sache, die geistige Freiräume verlangt. Auch im Hinblick auf meine Diplomarbeit im Juli hab ich die grad echt nicht. Ich stehe auf. Arbeite. Komme heim. Esse. Schlafe. Stehe wieder auf.

Unsere Katze wird bald 16 Jahre alt. (Das ist zwar nur eine grobe Schätzung, denn ich weiss echt nicht, wie alt sie ist. Ich hab sie 2002 in Boswil in der Kirche gefunden). Sie hatte im November einen Abszess am Kinn und reisst sich immer mal wieder Fellhaare aus. Ich fühle mich für sie sehr verantwortlich, denn sie hat mich, seit ich 25 Jahre alt bin, durch mein Leben begleitet. Ich habe Angst, sie zu verlieren, denn ich habe sie sehr gerne.

Die Katze hat mich 2007 auch zu Mami begleitet, als diese im Sterben lag. Meine Mutter freute sich riesig über die Katze, besonders weil sie eine schwarze Katze war. Negi, unser schwarzer Familienkater starb 2003. Er und Mami waren immer ein Herz und eine Seele.

Ich bin sehr glücklich, dass ich weiterhin Kontakt zum tschechischen Teil meiner Familie pflegen kann. Besonders glücklich hat es mich gemacht, dass sie mich zu ihrem Familienstammbaum hinzugefügt haben. Sie sorgen aktuell dafür, dass ich weiter über meine Urgrosseltern forschen kann. Ich habe noch so viele Fragen.

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Auf der Iddaburg

Heute morgen verspürte ich grosse Lust, in die Höhe in Richtung Hulftegg zu fahren. Es windete leicht, zwischendurch regnete es. In Bütschwil bog ich ab, nach Mosnang, über die Hulftegg bis weiter nach Bauma. Von da aus fuhr ich nach Sternenberg, weiter nach Fischingen und schliesslich zur Iddaburg.

Omi und Opa gaben sich im Mai 1951, vier Monate vor der Geburt meiner Mutter, auf der Iddaburg das Ja-Wort. Omi hat nie verschwiegen, dass sie bei der Heirat sichtbar schwanger war. Sie war sogar stolz darauf. Sie sagte zu mir: „Weisst du, als ich heiratete und im September deine Mutter gebar, wurde getuschelt. Bei einer reichen Frau hätte es wohl geheissen, sie kriegt ein Frühchen, wenn sie vier Monate nach der Heirat einem Kind das Leben schenkt.“

Als jüngste Tochter einer sehr armen Familie hätte sie nie vor den anderen Schwestern heiraten dürfen. Aber Omi hatte, wie sie selber immer zu sagen pflegte, einen „sturen Grind“. Omi und Opa wollten heiraten, also fanden sie auch einen Weg. Wenn sie das nicht getan hätte, wenn sie meiner Mutter nicht „das Leben geschenkt“, sondern gewartet hätte, wäre wohl auch ich heute nicht hier.

Hier oben, wo früher die Burg Alt-Toggenburg stand, wo man einen wunderbaren Blick bis auf den Bodensee hat, fühle ich mich meiner Omi Paula sehr nahe.
Die Legende der heiligen Idda hat mich schon als Kind sehr bewegt. Heute stand ich also da oben vor der Kirche und dachte ganz fest an Omi. Wie sie es wohl 1951 hier herauf geschafft haben? Die Iddaburg ist über 10 Kilometer von Wil entfernt. Keiner von ihnen konnte Auto fahren.