Ein halbes Jahr

Ein halbes Jahr ist sie nun schon tot und es scheint mir, als wäre es gestern her, dass wir zusammen gesessen sind und herumgeblödelt haben.
Nie mehr Geburtstage und Weihnachtsessen mit Omi.

Heute früh suchte ich 40 Fotos aus meinem Archiv heraus für meinen Geburtstag.
Auf unzähligen Fotos ist sie an meiner Seite.

Ich besitze praktisch keine Fotos mit meiner Mutter.
Das ist schon sehr seltsam und vor allem sehr traurig.

Omi war fast von Anfang meines Lebens an wie eine Mutter.
Sie hat mich gern gehabt und mir dies auch immer wieder gezeigt.
Für sie war ich Enkelin, Tochter und Hoffnung.
Als sie damals sehr unglücklich war, hat sie gesagt:
„Ich wollte nicht mehr leben. Aber für dich lebte ich weiter.“

Es war ja klar, dass ich sie irgendwann überleben würde.
Ich hatte immer Angst, dass dies früh geschehen würde, und nicht erst, wenn ich fast 40 bin.
Ich bin froh um die letzten Jahre mit ihr, selbst wenn sie mich und meinen Namen vergessen hat.

Omis liebevolles, hoffnungsfrohes Wesen fehlt mir so.
Selbst die Demenz, die so vieles zerstört, konnte mir diese Erfahrung, unsere Liebe, nicht nehmen.

omi zora

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Ein Gedanke zu “Ein halbes Jahr

  1. Liebe Zora,
    natürlich habe ich über das Stichwort Demenz Deinen Blog gefunden. Obwohl unsere Demenzwelt völlig anders ist, habe ich Dein Blog von Anfang bis heute gelesen und bin sehr berührt von Deiner Geschichte.
    Trauer ist unfassbar. Sie ist nicht aufs Wort da oder weg. Sie kommt, wann sie will und überfällt uns.
    Manchmal hat man Zeit, sie zuzulassen, manchmal passt es nicht und wir schlucken Tränen und kämpfen hart, um im Jetzt zu bleiben.
    Trauer bedeutet ja auch immer Erinnerung. An den Verlust, an gemeinsame Momente, geteilte Lebenszeit.
    Das ist immer schwer zu ertragen. Glücklicherweise kommt die Trauer irgendwann seltener, es gelingt dann auch zwischendurch die schöne Erinnerung. Eigentlich soll diese dann irgendwann überwiegen, aber ehrlich ist es bei mir auch 35 Jahre nach dem Tod meines ersten sehr vermissten Menschen noch oft so, dass ich wieder weinen muss, wenn ich an ihn denke. Es war mein Opa, er starb als ich 17 war.
    Inzwischen habe ich viele Tode von lieben Menschen erlebt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass, wenn die Trauer hochkommt, irgendwie alle darin vereint sind.
    Wenn ich dann weine, weine ich um alle verlorenen Menschen, gleich wie nah sie mir waren.
    Tod vereint die Menschen, die in Deinem Leben wichtig waren. Gleich ob es Opa, Vater, Tante oder Freund war. In der Trauer sind alle Lieblingsmenschen, die gestorben sind, vereint.
    Vielleicht ist das ein Spiegel, dass sich im Tod alles wieder findet.

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