Zwei Monate ohne Omi

Ich habs noch immer nicht geschafft, Omis Kisten aus dem Pflegeheim auszuräumen. Sie stehen im kalten Zimmer und ich hab das Gefühl, als schauen sie mich jedes Mal traurig an.

In der Kiste sind Fotos und Alben von Omi und mir und es tut mir einfach nur weh, wenn ich sie jetzt in die Hände nehme. Ich verfluche den Winter, denn ich mir sicher, wenn ich endlich Blumen auf dem Grab pflanzen könnte, ginge es mir besser.

Ich vermisse Omis Geruch, ihre Haare, die sie immer schön von mir gekämmt haben wollte. Ich vermisse es, über ihre langen Hände zu streicheln. Dass ihr Ehering jetzt an meiner Krähenkette hängt, tröstet mich nur bedingt. Es scheint alles auseinander gerissen, was zusammen gehört.

Jetzt sollte ich mich auch damit auseinander setzen, welcher Grabstein irgendwann auf Omis Grab stehen sollte. Schliesslich gehts ums Bezahlen, ums Erben. Ich mag jetzt nicht Steine aussuchen. Mit einem Stein auf dem Grind ist alles endgültig. Am liebsten würde ich warten, bis Opas Grabstein in ein paar Monaten entfernt werden muss, denn Omi hat ihn gemocht.

Manchmal rinnen mir einfach die Tränen aus den Augen und ich weiss gar nicht weshalb. Manchmal verspüre ich einen so tiefen Schmerz in der Herzgegend, dass ich denke: jetzt gehst du auch. Dabei ist es noch nicht an der Zeit. Ich muss endlich wieder in den Garten. Meine Hände müssen die Erde spüren, damit auch sie wissen: Lebe.

Werbeanzeigen

6 Gedanken zu “Zwei Monate ohne Omi

  1. Irgendwie gefällt mir die Idee mit dem recycleten Grabstein … Ein guter Steinmetz müsste das hinrkiegen. Und so viel Zeit darfst du dir sicher nehmen!

    Liken

  2. Ach, Zora, mir tut das Herz weh, wenn ich lesen muss, wie schwer Dir die Umstellung wird, auf ein Leben ohne diese Deine Omi Paula. So ging es mir 1945, als ich aus der US-Internierung heim kam, und mein geliebter Opa war nicht mehr da.

    Liken

  3. Ach, lieber Rudi. ❤ Ich denke oft an dich, weil Omi und du gleich alt sind und ich hätte mir gewünscht, dass sie dich kennenlernt. 😥

    Liken

  4. Lass dir Zeit für den Grabstein, unbedingt! Und wenn du spürst, dass der vom Opa hinsoll, ist das doch perfekt?!
    Trauer braucht so viel Kraft und Raum – beides wünsche ich dir sehr.

    Gefällt 2 Personen

  5. Liebe Zora, die Überlegung mit dem Grabstein Deines Opas, der in absehbarer Zeit verfügbar ist, finde ich grandios. Die Zeit solltest Du Dir auf jeden Fall nehmen und, soweit ich dies von Fachleuten höre, ist es ohnehin wichtig, dass so ein Stein nicht zu früh gesetzt wird, weil die Erde noch arbeitet.

    Ich denke so oft an Dich und Deine Omi, Dein Verhältnis zu ihr und, so traurig es ist, dass sie vor zwei Monaten gestorben ist, so sehr spüre ich, dass Du weißt, dass es ihr bis zum Schluss gut gegangen ist, Du gut für sie gesorgt hast.

    Ich werde dieses Jahr erstmals meinen Balkon bepflanzen und ich werde dabei an Euch beide denken.

    Liebe Grüße
    Lili

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.