Meine Welt, deine Welt

Gespräche mit Omi sind selten linear. Heute war ein Tag, an dem sie sehr viel sprach, mitten im Satz abbrach und eine neue Geschichte zu erzählen begann.

Sie schaut fern. Eine Tiersendung läuft. Sie liebt Tiere und redet mit ihnen. Bären in Alaska, die Zebrafinken im Käfig oder die Heimkatze, für alle hat sie ein liebes Wort. Büsibüsi, miezmiez, Biepsli und brummbrumm. Sie lächelt.

Ein Gespräch ist schwierig. Es geht ihr gut, soweit ist es klar. Sie isst kleine Fruchtstücke aus einem Tellerchen, der auf ihrem Rollator steht. Ihr Blick geht an uns vorbei auf den Fernseher.

Wir reden über Ostern.
„Ostern?“, fragt sie, „ist das auch schon wieder?“.
Ich nickte.
Sie redet über einen Chef, einen Menschen, der längst tot ist. Dann spricht sie von kleinen Kindern, wohl weil im Fernseher gerade ein kleines Kind zu sehen ist.

Nach einer Viertelstunde verabschieden wir uns. Omi ist mit sich selbst beschäftigt. Wir stehen auf und versorgen unsere Stühle wieder. Eine Mitarbeiterin des Pflegeheims sieht uns und meint: „Sie können sich im Fall schon hinsetzen.“
Ich winke ab.
„Schon gut. Heute ist kein Tag für Besuch.“
Omi zuckt die Schultern.
Die Pflegende findet es schade.
„Jetzt haben Sie extra Besuch gekriegt, Frau X.“
„Wir kommen wieder“, sage ich zu beiden, „wir wohnen ja jetzt im Nachbardorf.“
„Das ist schön, dann mussten Sie jetzt nicht extra lange fahren.“
Ich schüttle den Kopf.
„Kein Problem.“

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4 Gedanken zu “Meine Welt, deine Welt

  1. Ich denke, solche Entwicklungen machen uns allen Angst. Und wer noch nicht betroffen ist, hat Angst, einmal betroffen zu sein. Als Angehöriger oder selbst.

    Unsere Lebenserwartung steigt und steigt und steigt. Die Kehrseite dee Medaille ist, dass immer mehr Krankheiten auftauchen, die es früher in dieser Häufigkeit nicht gab.

    Viele Grüsse
    Lebenswanderin

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  2. was ich eben so schnell quer lesen konnte beeindruckt mich schon sehr….. Ich betreue meine Eltern seid 8 Jahre …. Es ist schon eine echte rhetrausforderung ….

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    1. Was ich mal eben schnell gelesen hab ist der Hammer…
      Ich betreue meine Eltern seid 8 Jahren und es hat mich an meine
      Grenzen gebracht …. Ich würde mich freuen mehr von Dir zu hören
      Das hiebt mir Kraft
      LG. Daggi

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