Bodensätze

Die verschiedenen Bauphasen unseres Hauses sind offensichtlich. Die elektrischen Leitungen wurden lange nach dem Bau eingezogen. Sogar ein Drittel des Hauses wurde erst später angebaut. So sind Gästezimmer, Vorratskammer und ein Teil des Kellers späteren Baudatums. Früher einmal war unser Haus auf einem quadratischen Grundriss gebaut.

Die Findlinge, die unser Schreiner aus meinem Atelierboden geholt hat, sind wohl ebenfalls typisch für die Bauweise jener Zeit. Ich habs nicht fertig gebracht, die Steine einfach weg zu tun. Sie sind riesig, schwer – und wunderschön.

Unser Schlafzimmer wird wohl erst in den 1950er Jahren erbaut worden sein. Es ist einer der hellsten Räume im ganzen Haus. Vom Bett aus sehen wir nicht nur auf den Wipfel unserer Tanne im Garten, sondern auch auf die Dächer der Nachbarhäuser.

Der Keller wurde praktisch in den Fels gebaut. Der Boden ist aus natürlichen Steinplatten. Die Platten sind glatt geschmirgelt von all den Füssen, die schon darüber gelaufen sind. Von der alten Wäscherei Mitte des 19. Jahrhunderts ist nicht viel mehr geblieben als ein steinerner Trog hinter all den Gartenwerkzeugen.

Unser Haus ist ein Mysterium. Ich denke immer wieder dran, wenn ich seine eigentümliche Bauweise, die Mauern und die Risse im Mauerwerk sehe. Es knarrt, wenn man im zweiten Stock über die Holzbalken läuft, so dass ich manchmal Angst habe, dass gleich der Boden durchbricht.

Ich sitze in der Stube mit Sascha und der Katze. Es ist derselbe Raum, in dem mein Urgrossvater Henri verstarb, wo wir früher alle Weihnachten feierten und TV schauten und wo Opa 1997 starb. Fast nichts erinnert mehr an damals. Nur der Kachelofen sieht noch genauso aus wie damals, als ich noch ein kleines Kind war.

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Ein Gedanke zu “Bodensätze

  1. Ist es ein tröstliches Gefühl, nun dort zu wohnen, wo soviele Erinnerungen drin stecken oder spürst Du eher Melancholie, weil Dir das „es war einmal und wird nie wieder so sein“ täglich begegnet?

    Abgesehen von den persönlichen Erinnerungen deinerseits, finde ich Häuser mit „Leben“ sehr faszinierend. Wir haben schon öfters Dorfmuseen besucht und ich stehe jedesmal in diesen alten Häusern und erlebe Kopfkino.

    Herzliche Grüße
    Lebenswanderin

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