Zugeschnürte Kehle

Langsam aber sicher leert sich die Wohnung. Derweil ich brav Dienst tue, räumt Sascha Bücher und Zeugs in Kisten. Bis zur grossen Zügelei hab ich genau noch einen Tag frei. Ganz im Ernst: ich bin froh drum, denn eigentlich bricht es mir das Herz, noch länger in diesem Haus ein- und auszugehen.

Nur schon wenn ich am Abend auf den Parkplatz fahre, muss ich fast weinen. Hier werde ich fast 18 Jahre neben wunderbaren, mir ans Herz gewachsenen Menschen gewohnt haben. Ich sah über all die vielen Jahre mein Nachbarskind aufwachsen. Ich durfte viele nette Katzen und Hunde kennenlernen. Viele Abende verbrachten wir gemeinsam im Garten. Die Sonne schien auf unsere Gesichter. Mein Nachbar macht das Feuer in der Feuerschale an. Wir trinken Wein und reden. Schauen zum Himmel und sehen die Sterne. Meine Nachbarn werden mir so sehr fehlen.

Ich war heute bei meinem Arzt. Seit bald zwei Monaten plagen mich Halsschmerzen, Schluckstörungen und Atemnot. Ich habe das Gefühl, als schnürt es mir den Atem und die Stimme ab. Immerzu dieses seltsame Gefühl im Hals, als ob ein Gegenstand, eine feine Nadel, darin stecken würde.

Das Gefühl, nicht mehr reden zu können, begleitet mich schon lange. Und manchmal habe ich Angst, dass es wirklich so sein wird. Heute hatte ich plötzlich Angst. Was ist, wenn meine Stimme verschwindet und ich einen Text nicht mehr laut vorlesen kann, um zu überprüfen, ob er gut ist? Spielt sich in einem solchen Falle Sprache nur noch im Kopf ab?

 

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Ein Gedanke zu “Zugeschnürte Kehle

  1. Liebe Zora,

    ich glaube, es ist Zeit für Deinen Umzug und dann wird auch Dein Hals wieder frei.

    Es sind nur noch wenige Tage und Du ziehst in ein Haus mit Charakter, mit Geschichte, sicher auch mit Nachbarn, neuen Hunden, Katzen, der Erwartung auf einen Frühling in dem lang ersehnten Haus, einem tollen Sommer, für den Du schon Gedanken und Erwartungen formuliert hast, einen Herbst mit neuen Äpfeln, Nüssen, Pflaumen und dem darauf folgenden Winter, in dem Du das Jahr im neuen Haus passieren lassen wirst. Deine „alten“ Nachbarn werden Dich vielleicht im Sommer besuchen.

    Mein Eindruck ist: Du hälst die Luft an, bis der Umzug beginnt. Atme durch. Ich denke an Dich und wünsche Dir für diese Tage alle Kraft,
    liebe Grüße
    Lili

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