Meine Mutter, die Lieder und ich

Meine Mutter war in jungen Jahren die schönste Frau, die ich je gesehen hatte. Sie hatte dunkelbraune Haare, olivbraune Haut, dunkelbraune Augen. Sinnliche, aussergewöhnliche Lippen. Sie war grossgewachsen. Sehr lange Beine.

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Meine Mutter war wunderschön.
Sie hat damals keinen Hehl daraus gemacht, dass ich ihren Ansprüchen nicht genügte, meine Schwester hingegen schon. Ich war das klassische hässliche Entchen. Und verdammt: das Märchen vom schönen Schwan hab ich geliebt, weil es diametral von mir entfernt war.

Meine Mutter wurde langsam älter und ich weniger hässlich.

Und dann wurde sie krank. Ihr Gesicht färbte sich gelb, während ich immer blasser wurde. Wir unterhielten uns über die Liebe, die Männer und das Stricken. Über unsere Lieblingsfilme. Unsere Songs. Die Lieblingsfarben.

Als sie starb, musste ich mich auf Lieblingslieder für den Gottesdienst beschränken. Ich wählte jene Lieder, bei denen wir gemeinsam weinten.

Ave Maria

wonderful world

somewhere over the rainbow

und am Ende:

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