Heimat finden

Das Wetter war gelinde gesagt mies, heute im Toggenburg. Wir packten eine Wagenladung Gerümpel Kisten und fuhren zum Haus. Das Gute am Tauwetter ist ja, dass wir wieder problemlos vorfahren konnten, ganz im Gegenteil zu Anfang der Woche.

Wir wollten eigentlich den Keller von einer Ladung Müll befreien. Leider aber waren wir zu spät dran und so machte ich mich ans Auspacken der Kisten. Natürlich frage ich mich, ob es wirklich sinnvoll ist, Mutters Nippes ins Haus zu zügeln. Aber dann denke ich, dass diese schrecklichen Figurinen ihr so am Herz hingen, dass ich sie jetzt nicht einfach wegschmeissen kann.

Also stehen sie in Kisten herum. Heute nacht träumte ich davon, dass ich die Figurinen zusammenschlage und ihre Scherben neu zusammensetze, auf dass eine bunte, grosse Kugel daraus entsteht. Die stellte ich in den Garten und wartete darauf, dass Blumen daraus wuchsen.

Der erste Anstrich im Büro war mein Tagesziel. Indies, ich brauchte lange. Malen macht wirklich Spass. Mir wird bewusst, dass ich diesen uralten Raum vollends neu gestalte. Weiss über lindgrünes Türkis. Wo wird mein Tisch stehen, denke ich. Welche Lampe will ich? Blumen. Vor dem Fenster soll eine Bank stehen und darauf ein Topf mit grünen Pflanzen und Gras für die Katze. Ich stelle mir vor, wie sie im Frühling auf einem Kissen daliegt, sich sonnt und später gurrend durch mein Büro streicht.

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Ich konzentriere mich aufs Malen. Das Holz färbt sich weiss. Ich vergesse alles um mich herum, sogar die Gefahr, dass plötzlich eine grosse schwarze Spinne neben mir stehen könnte. Meditation pur.

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Nach zwei Stunden pausenlosen Malens bin ich müde. Wir kriegen Besuch. Ein junges Paar kommt ein Möbel abholen. Es regnet in Strömen. Wir transportieren Uroma Röös‘ Schrank in einen Anhänger.

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Ich bin erleichtert. Ein Schrank weniger. Menschen, die sich darüber freuen. Und dann, kullert mir im kalten Regen eine Träne herunter und ich denke: jetzt macht der alte Schrank noch eine grosse Reise in eine neue Heimat. Ich gehe zurück ins Haus.

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Ein Gedanke zu “Heimat finden

  1. Der Titel des Artikels passt. Dinge finden ihren Platz. Menschen auch. Und dann immer wieder Wechsel. Neuanfänge. Unerwartetes. Tränen auch. Das Haus ist eure Metapher für das Leben. Für die Bewegung. für die Ruhe. Das chunnt guet!

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