Von der Freude des Entsorgens

Mit einem vollbepackten Auto fuhren wir heute morgen zu unserem Haus. Bücher und Herbstkleidung wollen verstaut sein.

Doch die wirkliche Herausforderung zeigt sich beim Räumen der Möbel. Alte Teppiche. Sperrholzplatten. Ein Schreibtisch, dessen Beine abfallen. Eine Kommode, deren Ecken abgewetzt sind und die leider aus billigem Material besteht. Ein hässlicher Bilderrahmen. Noch mehr Teppiche. Elektroschrott. Ein alter Mixer, der so aussieht, als ob das Anschliessen an den Strom gleich einen Funken verursachen würde. Ein Handwäschetrockner. Das Material zersetzt von all den Jahren, die er im Estrich verbrachte. Die alte Garderobe, die im Durchgang steht und den Platz versperrt. Wir schrauben sie auseinander. Der Weg ist frei.

Wir tragens runter in den Keller. Wir fangen an, das Auto zu füllen. Die Recycling-Firma ist ja zum Glück nur einige Minuten entfernt. 60kg kommen auf die Waage. 60 Kilogramm Möbel und Zeugs meiner Familie. Ich bin nicht traurig, dass es weg ist. Das Haus wird langsam leichter. Und mein Herz auch.

P.S. Für eine Autoladung Müll haben wir 15 Franken bezahlt.

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2 Gedanken zu “Von der Freude des Entsorgens

  1. Es ist sehr bewegend zu lesen, wie Sie das Haus langsam für sich in Besitz nehmen. Die Entsorgungsaktion, die Sie beschreiben, erinnert mich an die Zeit, in der wir vorbereiteten, in das Haus meiner Großeltern zu ziehen, in dem wir jetzt leben. Auch hier: viel Muffiges, mancher Kitsch, Möbel aus furniertem Sperrholz, alte, krümelige Teppiche… Das Gute ist, dass es gelingen kann, sowohl die Geschichte eines Ortes zu spüren als auch ihm eine eigene Farbe zu verleihen und es sich anzueignen.

    Ich wünsche Ihnen dabei alles erdenklich Gute und von Herzen eine behagliche Winterzeit.

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  2. Mein Lebensthema ist: Was hebe ich auf, was werfe ich weg (oder gebe es weg). Mir fällt schwer zu entscheiden, aber je älter ich werde, um so klarer wird mir, dass ich für die Erinnerung an Menschen im Grunde jeweils nur weniges aus deren Besitz behalten muss, eher etwas, was ich immer wieder in Benutzung habe, als Zuvieles zu behalten und eigentlich nichts damit anzufangen. So erinnere ich mich täglich an meinen Schwiegervater, wenn ich seinen Meßbecher nutze oder an einen Onkel von mir, wenn ich dessen Eierschneider.
    Lieber nur weniges, das aber aktiv genutzt und vieles wegschmeißen, was wirklich entlastet.

    Danke für Ihren Blog, der mich begleitet. Ich las in einem der letzten Kommentare, dass ein Buch daraus werden soll. Ich weiß gar nicht, ob das für mich so interessant ist. Diese kleinen Kunstwerke alle paar Tage zu lesen ist für mich das Besondere. Danke dafür.

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