Alle Jahre wieder.

Seltsame Sache. Wieder trudelt eine Einladung an ein Weihnachtsessen ein. Seit Omi Paula im Pflegeheim lebt, ist es bereits die dritte.
Omi lebt seit über zwei Jahren im Pflegeheim. Mir scheint, als wäre der Umzug erst gestern gewesen. Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich Omi, wie sie 60 ist, herumblödelt und in ihrem rosa Arbeitskostüm im Garten arbeitet. Dabei sind bereits 26 Jahre vergangen.

Die Zeit fliegt davon.
Vor einem Jahr hab ich davon geträumt, dass ich bestimmt an Weihnachten 2014 in meinem eigenen Haus leben würde. Jetzt wird es Februar 2015.

Die Erleichterung, bald im Haus und in Paulas Nähe leben zu dürfen, hat mich umgehauen. Zum ersten Mal lebe ich an einem Ort, an dem ich mich erwünscht fühle. Zum ersten Mal in meinem Leben gehört mir etwas.

Dankbarkeit ist eines der Worte, die mir einfallen, wenn ich an Paula denke. Jede Ecke des Städtchens atmet ihren Namen. Hier hat sie fast dreissig Jahre gelebt. Hier werde nun auch ich leben.

Omi wohnt zwei Dörfer weiter.
Nie weiss ich, ob sie mich wiedererkennt.
Manchmal habe ich Angst, dass sie erschrickt, wenn ich zur Türe eintrete, weil sie nicht mehr weiss, wer ich bin. weil ich zu lange nicht mehr da war.

Am Sonntagabend hatte ich Fieber. Fast 39°C. Am Montag blieb ich zuhause im Bett. Am Dienstag ging ich ins Haus aber nicht zu Paula. Ich habe Angst, sie mit einer Grippe anzustecken. Aus irgendeinem Grund ist dieser Gedanke erschreckend für mich.

Am 17. Dezember darf ich zum Weihnachtsessen mit Paula gehen. Ich freue mich so.

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