Thurgauer Herbst

Dunkles Wetter. Der Thurgauer Nebel ist da. Die Blätter verfärben sich. Ich hasse die ungeraden Jahre. Verabscheue die Dumpfheit des Nebels. Das Nieseln. Das Rasseln der Blätter. Den Geruch der Zuckerrüben.

Über mir krächzen die Krähen. Ihre Schreie scheinen mir nicht fremd. Sieben Jahre ist es her, seit ich im Nebel die Wohnung meiner Mutter geräumt habe. Frauenfeld bei Nacht ist traurig. Unter dem Dach über der Zürcherstrasse scheint die Traurigkeit noch präsenter. Mutters geblümte Bettwäsche. Die Blutflecken. Spuren von Erbrochenem. Leere Weinflaschen verstaut in schwarzen Herrensocken.

Der Kaninchenpelzmantel ist angeschrieben mit meinem Namen. Ich soll ihn kriegen. Ihre weisse Handtasche. Ihre Kochbücher. Die Fotos von mir, als ich kaum eine Woche alt war. Ich sehe darauf aus wie ein Kind.

Ich lege mich auf den Teppich. Er ist voller Zigarettenasche. Die Holzdecke ist schmutzig vom Nikotin. Ich werde sie waschen müssen. Alles riecht nach ihr. Nach frischer Leber. Ich kriege keine Luft mehr.

Sie liegt im Pflegeheim. Ganz gelb. Ihre Haut ist trocken. Sie hat Nasenbluten. Ihre dunklen Augen leuchten, als sie mich sieht.
„Du, hier?“ Sie freut sich. Wir umarmen uns. Ich möchte ihren weinroten Mund küssen, doch sie riecht nach Leber und Tod und mir wird übel. Ich drehe mich weg.

Ich steige in mein Auto. Täglich. Fahre durch den Nebel. In meine Wohnung. Öffne die Fenster.

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