Herzweh

Ab morgen arbeite ich wieder. Die grossen Ferien sind vorbei. Ich freue mich, meine ArbeitskollegInnen wieder zu sehen. Trotzdem schwingt auch Wehmut mit, denn in den letzten drei Wochen hab ich so viel Zeit im Haus verbracht, geräumt, geputzt und gearbeitet. Ich verbrachte nach fast zwanzig Jahren Unterbruch mal wieder eine Nacht unter seinem Dach.

Jetzt, wo mich der Alltag wieder hat, werde ich dort weniger Zeit verbringen können. Ich versuche nicht daran zu denken, denn es tut mir weh. Ich weiss, dass ich mich nicht vierteilen kann.

Als ich heute mit Sascha und seiner Schwester im Haus war, wurde mir bewusst, wie viel Potential in seinen Mauern steckt. Die Geschichten meiner Vorfahren hängen in den Wänden. Sie begleiten mich im Alltag. Doch noch etwas anderes geschah:

Wir sassen in der Küche und diskutierten. Da fiel mir ein, dass ich jetzt, mit 37 in derselben Situation bin wie Paula vor über 17 Jahren mit 69. Die Welt, das Haus, steht mir offen. Ich kann über mein Leben bestimmen. Ich kann das Haus entrümpeln und neuen Wind wehen lassen.

Ich habe heute den Küchenschrank neu eingeräumt. Er war mein Pièce de résistance. Ich wagte mich nicht daran, Omis Tassen zu berühren, ihre Teller, ihre Beggeli, ihre Gläser. Ich habe abgewaschen, sortiert und abgestaubt. Ich habe ihre Pfanne entkalkt. Es war nicht einfach,

Die nächsten Wochen werden nicht einfach. Geduld ist nicht meine Stärke. Noch soviel ist zu tun. Der Herbst kommt. Der Winter. Und ich arbeite irgendwo im Thurgau, fern des Hauses, tagein tagaus. Aber mein Herz schlägt schon jetzt ganz stark im Toggenburg.

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