Von den Wurzeln, dem Leben und der Heimat

Irgendwie bin ich nicht weit herum gekommen.
Im Thurgau bin ich aufgewachsen zwischen Dreckhügeln, Nebelschwaden und Apfelbäumen. Ländlich. Ich sage: dreissig Jahre hinterher. Als man in Zürich darüber sprach, dass die Jungen Heroin spritzen, galt in meinem Dorf rauchen und wild herumknutschen als Gipfel der Verdorbenheit. 1989 war die Jugend auf dem Dorfe ein ewiger Groschenroman.

Mit 17 lebte ich ein Jahr lang in Nyon. Das kommt mir heute vor wie das Leben auf einem anderen Planeten. Die Gegend war nicht mal so sehr anders als die im Thurgau: grüne Hügel, Weinberge und ein grosser See. Die Menschen hingegen schienen auf eine seltsame Art und Weise offener als in meiner Heimat.

Nach der Lehre ging ich nicht fort aus dem Thurgau. Ich konnte nicht. Da war das Dorf, mein Heimatort. Nur wenige Kilometer von hier war meine Familie entstanden Die Gegend zieht mich an wie ein Magnet. Schon vor 500 Jahren haben die Meinen hier gelebt, deren Name, Debrunner, ich trage. Es ist der Name meines Vater. Ich liebe diesen Namen. Er bedeutet mir viel.

Die andere Hälfte von mir, die mütterliche, entstammt aus dem Toggenburg. Dieses Tal, auch hier fliesst die Thur durch, ist ebenfalls meine Heimat. Von hier kommt meine Mutter, mein Grossvater und mein Urgrossvater.

Ich bin und her gerissen. Besonders im Frühling liebe ich den Thurgau. Ich kann mir nicht vorstellen, hier wegzugehen. Doch das Haus im Toggenburg zieht mich an. Der Sommer ist so wunderbar dort. Kühl. Schattig. Plätschernd. Der Winter ist so bitterkalt.

Anna, meine Urgrossmutter, stammte aus Herisau. Um 1918 muss die Heirat in Richtung Toggenburg noch wie eine Weltreise gewesen sein. Oft denke ich an Anna, wenn ich von Lichtensteig über die Wasserfluh fahre. Wie sie wohl gereist ist?

Ich muss dran denken, dass auf dem Friedhof in Lichtensteig alle Meinigen mütterlicherseits begraben sind; Anna, Rosa, Henri, Nelly, Uschi und Walter. Irgendwann wird auch Paula dort ihren ewigen Schlaf halten. Warum also sollte ich nicht in dem Städtchen leben wollen, fernab der (alten) Heimat?

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