Wenn Worte fehlen

Der Reporter-Film am Sonntagabend auf SRF hat mich, obwohl ich nicht das erste Mal gesehen habe, berührt. Der Film handelt von einem Mann und seiner an Alzheimer erkrankten Ehefrau.

Als Paulas Enkelin kann ich zwar mitfühlen, was es heisst, jemanden zu verlieren, den man lange kennt. Aber ich bemerke, dass die Dimension „demenzkranker Partner“ etwas ist, was ich so nicht kenne und nicht nachempfinden kann. Ich denke mir, es ist wirklich eine traurige Sache, den Menschen langsam loszulassen, in den man mal sehr verliebt war, mit dem man Haus und Kinder hatte.

Im Film schauen die beiden ein Fotoalbum an. Auf den Fotos sind die beiden noch jünger. Sie wirken glücklich. Irgendwie sind sie es auch jetzt noch. Aber etwas ist anders. Die Frau wirkt aufgestellt. Auf den Schultern des Mannes lastet nun die Verantwortung.

Gestört hat mich an dem eigentlich schönen Porträt die Art der Kommunikation. Ich fand es heftig, als der Ehemann vor der Kamera über seine Frau sprach, die daneben sass. Ich musste an seine Worte denken: er hat ja eigentlich kein Gegenüber mehr. Die Frau kann mit ihrem Mann keine tiefgründigen Gespräche mehr führen.

Ich bemerke es ja bei Gesprächen zwischen Paula und mir. Die Worte erreichen einander nicht mehr. Stattdessen machen sie der Nähe Platz. Ich hab ganz oft das Gefühl, dass, wenn die Worte fehlen werden, wir stattdessen einander berühren werden. Ich werde ihre Hand anfassen. Über ihren knochigen Rücken streichen. Paula mag es, wenn ich sie umarme.

Ich gebe mir Mühe, mit Paula zu sprechen und nicht über sie. Ich hoffe, es gelingt mir bis zum Schluss.

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