Die Männer in unseren Leben

Was ich an der Erziehung meiner Eltern und dem Einfluss meiner Oma Paula auch heute noch schätze, war die Haltung gegenüber Männern und Sexualität. Nie haben sie so seltsame Dinge gesagt wie „ein Mädchen muss sich für den Richtigen, den Ehemann aufsparen“ oder „benimm dich nicht wie ein leichtes Mädchen“.

Zwar haben mir meine Eltern, als ich 13 Jahre alt wurde, unter Androhung einer kalten Dusche verboten, dass ich mir mit Kajal die Augen zu schminke und herumzuknutsche, aber das beirrte mich nie. Im Gegenteil.
Mit 13 wäre ich feinmotorisch gar nicht in der Lage gewesen, mir die Augen schwarz zu schminken. Meine starke Kurzsichtigkeit und die dicke Brille taten den Rest dazu. Zudem war auch anfangs der 90er das Geek-Girl (hellblaue, dicke Brille, sehr kurze Haare, Cordhosen) nicht unbedingt das beliebteste Mädchen der Schule. Im Ernst: ich habe nie herumgeknutscht, nie herum gemacht und schon gar nicht herum geschlafen. Das war mir damals viel zu unheimlich, zu eklig und zu aufwändig.

Bei meiner Mutter lag der Fall etwas anders. Sie war schon als Teenager aussergewöhnlich schön: Sie war eine Frau mit glänzendem, langen schwarzbraunen Haar, dunklen Augen, zarten roten Lippen und leicht olivfarbener Haut. Sie besass sehr lange Beine, elegante Hüften und einen tollen Busen. Meine Mutter konnte sich wohl vor Verehrern nicht retten. Ihre Erziehung gestaltete sich Paula zufolge als anspruchsvoll. Die Angst vor unerwünschten Schwangerschaften (meine Mutter beichtete mir in den 90ern, dass man „damals“ noch so habe können, wie man wollte, ohne Angst vor AIDS haben zu müssen), war riesig, zumindest für ihre Mutter Paula. Es war die Zeit der freien Liebe und mehr als einmal schwärmte meine Mutter von ihren Ex-Freunden, u.a. einem Hippie, der Gras rauchte. Die Liebesgeschichte meiner Eltern hörte sich damals an wie ein wunderbarer, kitschiger Roman.

Paulas Liebesgeschichte habe ich ja schon erzählt. Erwähnenswert scheint mir, dass sie mir vor vielen Jahren mal noch von einem anderen Mann erzählt hat. Ich weiss leider seinen Namen nicht mehr, doch ich war ganz sicher, dass die beiden sich gerne hatten. Er war ein eleganter, gross gewachsener Mann, ein Gentleman. Manchmal muss ich dran denken, dass sie sich vielleicht in schlimmen Ehezeiten nach diesem einen Mann gesehnt hat. Ihr Leben wäre an seiner Seite ganz anders verlaufen. Aber vielleicht wäre ich dann auch nicht da.

flitterwochen 1974

in der Mitte mein Vater, ganz rechts meine Mutter, 1974 in den Flitterwochen

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