Der Tod ist eine Sau.

Als ich damals um Uschi trauerte, war ich ganz und gar alleine. Nur wenige Menschen sprachen mich auf ihren Tod an. Dabei hätte ich gerne darüber gesprochen, welche ambivalenten Gefühle in mir brodelten. Gefühle, die unausgesprochen sind, fressen dich langsam auf.

Da ist einerseits die tiefe Trauer, dass sie nicht mehr lebt. Es ist eine unvorstellbare Sache, dass der Mensch, der dich geboren hat, der dich neun Monate in sich herumtrug, einfach nicht mehr da ist. Ihr Tod war und ist eine Bedrohung. Sie sterben zu sehen, war einfach zu viel.

Dann ist da die Wut. Zuwenig Zeit für die Sterbende, zu viel Bürokratie, Beamte, denen ein Datum wichtiger ist als die Not. Fehlendes Geld. Die Wut ist schlimm. Sie zerfrisst dich langsam aus deinem Innersten heraus.

Verzweiflung. Du liegst am Boden und weinst dir die Augen aus. Möchtest einfach nur noch schlafen. Geht aber nicht, weil du zu erschöpft bist.

All das ist in dir drin. Aber niemand spricht dich an, weil es zu „persönlich“ ist. Der Mut fehlt. Selbst mir. Wie das Unaussprechliche ansprechen? Wie sagen? es tut mir so leid. Ich kann dich in deiner Not nicht trösten. Nur für dich da sein.

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2 Gedanken zu “Der Tod ist eine Sau.

  1. Ich empfinde genauso. Dieses Schweigen seitens (des Großteils) des Umfelds ist schwer zu ertragen. Es soll alles normal weiter gehen. Man fühlt sich damit so einsam. Und reden täte gut …

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  2. Ja, und es ist auch irgendwie nur Platz für Trauer, die ganzen anderen Gefühle, die es auch noch gibt werden erst gar nicht akzeptiert. Wut z.B. ein Unding. Wie kann man denn auf jemanden, der Tod ist wütend sein :-O, verständnislose Blicke. Vorallem wenn die Person krank war, dann darf man noch viel weniger wütend seind.
    Grundsätzlich darf man nichts sein, ist kein Platz für, erfüllt man den Auftrag nicht an die Gesellschafft, die darauf aus ist, dass man funktioniert.
    Traurige Wahrheit.
    Schöner Text, spricht mich sehr an (=

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