Menschen mit Demenz als Kostenfaktor und Geldquelle

Natürlich hab auch ich die Fernsehbeiträge und Zeitungsartikel der letzten Tage verfolgt. Ich sass ein wenig geschockt da.

Das blödste, was man als Aussenstehender tun kann, ist es, den Entscheid einer Familie, den Angehörigen in Thailand pflegen zu lassen, zu kritisieren. Deshalb werde ich dies nicht tun.

Was mich allerdings stört, ist die Tendenz, dass Gemeinden und gewitzte Geldgeber überprüfen wollen, was sie alles an dementen Patienten outsourcen können.

 Hueresiech! Das sind Menschen! Keine Alleebäume aus der Baumschule!

Ich sage dies von mehreren Standpunkten aus:

Als Enkelin von Paula könnte ich es mir nie, nie vorstellen, sie nicht in meiner Nähe zu haben. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass sie in einem ihr fremden Klima leben könnte. Die Frage, sie nach Thailand oder sonst wohin zu fliegen, stellt sich für mich daher erst gar nicht und darüber bin ich froh.

Als Betreuende vertrete ich den Standpunkt, dass Sprache, Kenntnisse über die Biographie des Betreuten sowie pflegerisches Grundwissen die Voraussetzung für eine gute Betreuung sind. Natürlich stellt sich in der Schweiz dieses Problem mit grosser Heftigkeit, da immer mehr Menschen immer älter werden. Der Pflegenachwuchs fehlt, weil viele Institutionen in den letzten Jahren geschlafen haben. Über die Finanzierung dieser Pflege möchte ich gar nicht erst sprechen und auch nicht darüber, wie viel Mannstunden in die Verwaltung und Aufzeichnung der geleisteten Tätigkeiten gehen. Da könnte man sehr viel Geld sparen. Aber die schwächsten Menschen ins Ausland zu verpflanzen und gleichzeitig hemmungslos Pflegekräfte aus dem Ausland zu importieren, finde ich äusserst fragwürdig.

Als Bürgerin empfinde ich eine solche Entwicklung als schlimm. Alte, demenzkranke Menschen einfach so mal ins Ausland zu verschiffen, weil es billiger ist, find ich persönlich skandalös. Da hilft auch die Schönfärberei namens „Resort“ nichts. Vielleicht ist meine Haltung hoffnungslos altmodisch, aber ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Grossmütter und Grossväter, Väter und Mütter selber pflegen sollten. Das haben sie verdient. Sie haben die letzten Jahre gearbeitet und zum Wohlstand beigetragen.

Ein wenig von der asiatischen Kultur des respektvollen Umgangs mit alten Menschen könnten wir uns allerdings alle aneignen.

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8 Gedanken zu “Menschen mit Demenz als Kostenfaktor und Geldquelle

  1. Sehr vielsagend fand ich die Doku vor zwei Tagen im Fernsehen. Die demente Dame, die immer fragte: «Wann kann ich wieder in die Schweiz?» Und dann die Erklärung der Fachverständigen, dass alte Leute immer «Heim» wollen. Soll es wirklich keinen Unterschied machen, ob a) die Angehörigen innerhalb von 24h problemlos vorbeikommen können (oder nicht) und b) dieses ersehnte «Daheim» 12.000 km entfernt liegt (statt 100 km)?

    Aber ja, ist die Entscheidung von Betroffenen und Angehörigen. Dass sich die Verwaltung dafür interessiert finde ich allerdings extrem zynisch.

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  2. Ich hatte bei meinem ersten Besuch in Thailand auch die Idee, dort Demenzkranke zu pflegen.
    Nach Rückkehr nach Deutschland lief damals gerade im Fernsehen ein Bericht über ein bereits bestehendes Projekt eines Schweizers in der Nähe von Chiang Mai.
    Offensichtlich besteht also Bedarf, und es funktioniert. Der Schweizer in dem Film bezahlt auch die Pfleger gut.

    Meine Idee war: den Kranken geht es dort besser als in Deutschland (vielleicht ist es in D noch etwas trister als in der Schweiz, wer weiß), die Angehörigen gehen nicht daran kaputt und pleite, und Urlaubsbesuche dort sind gleich mit „drin“ in wesentlich weniger Kosten als in Deutschland,
    und die Pflegerinnen/Pfleger in Thailand sollen anständig bezahlt werden für eine 24 Stunden Betreuuung in Schichten. Dort ist es oft so, daß Leute mehrere Jobs haben müssen, um über die Runden zu kommen. So wie inzwischen auch in Deutschland!

    Ich habe immer nur zu hören bekommen: „Ja, eigentlich gute Idee, aber warum, sollen die Einheimischen soviel verdienen müssen? Die kommen doch bisher auch mit weniger aus“.

    Das deutsche Beamten- und Politikerschweinepack will also nicht, daß „die Neger da unten daran verdienen“.
    Sobald die Schweine-Kassen und Behörden in Europa sich an so etwas beteiligen bzw einmischen, geht es nur noch darum alle abzuzocken.

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  3. Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen ist Mangelware geworden. Du kennst diese Seite des Lebens, ich sehe den Mangel auf der anderen Seite, wenn Erwachsene ihre Babys und Kleinkinder als „Halbmenschen“ behandeln, die man in Formen quetschen und in die gewünschte Richtung fördern muss (im Notfall mit Medikamenten), damit sie überhaupt zu „richtigen Menschen“ oder dem was man dafür hält werden.
    Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch, egal ob er 1 Tag oder 100 Jahre alt ist und egal, ob er noch ganz viel lernen muss oder ganz viel wieder vergessen hat!

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  4. Hallo „Hessenhexer“!
    Habe keine Erfahrung mit Demenzkranken, allerdings sehr viel mit Asiatischem (speziell Thai) Pflegepersonal und Aerzten. Dort wird der Patient noch als Mensch „in Not“ verstanden und Beschwerden werden holistisch und vorurteilsfrei begutachtet und entsprechend behandelt.
    Bei uns kommt nur ein Kreislauf, Organ, Knochen oder Gewebe ins Behandlungszimmer. Dann werden Daten gesammelt und Abstriche untersucht und bekommt dann die Pillen hingeworfen, die die Pharmaindustrie vorschreibt. Ach ja, zu Ihrer Akte kommt noch eine Personalnummer – wie war noch gleich der Name zu dieser Blutanalyse?……

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  5. Schade nur, daß Thailand nicht Brasilien ist. Dort kann man nämlich bürokratieunbehelligt hingehen und bleiben.
    Die Sache mit den Visa wäre das Einzige, was bei einem Pflegeprojekt in TH ein wenig schwierig ist.
    Daß die menschliche Seite dort in der Medizin so ist, will ja die deutsche Politik ändern: „westliche Standards“ will das Pack dort erzwingen.
    Als Thai würde ich die deutsche Botschaft sofort schließen und die KonradAdenauerStiftung usw. für 30 Jahre einbuchten.

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  6. @hessenhexer. TH vergibt auch sog. „Medical Visa“.
    Was die Konrad Adenauer Stiftung betrifft, ist es ein Klub von politischen „Moechte-gerne“ – Einflussnehmer, besonders in schwachen Nationen. Habe die Demokratie-Exorzisten in Kambodscha beobachtet. Steuergelderverschwendung ersten Ranges!

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  7. Die wissen schon in den dt. Parteistiftungen, wofür sie die Steuergelder einsetzen.
    Und damit bin ich nicht einverstanden, meine Freundin in TH soll nicht wegen deutschen Idioten in die Luft gesprengt werden.

    Beobachtungen der KAS in Kambodscha?
    Kannst Du mich mal anmailen? Auf dem Link steht was von „group“, da lande ich am Ende bei dem/der Falschen . . .

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