Das Zürcher Sechselüüte

Wenn ich bei meinen Grosseltern war, in den Frühlingsferien, war das „Sechselüüte“ einfach Pflicht. Mein Grossvater Walter stand dann breitbeinig da, die Hände auf den Hüften und erklärte mir die jüngere und ältere Schweizer Geschichte. Dies tat er leidenschaftlich und mit grosser Sachkenntnis. Paula erfreute sich an den Kostümen und den vielen Blumen.

Aber der Höhepunkt war das Verbrennen des Bööggs. Mein Opa Walter konnte den Sechselüüte-Marsch sowohl mitsummen als auch auf Trompete oder Saxophon mitspielen. Wie habe ich diese Einlagen geliebt. Zwar traf mein Opa mangels vorhandender Zähne nicht mehr jeden Ton, doch seine Leidenschaft für die Musik war spürbar! An solchen Abenden nahm ich meinen Opa als den Musiker wahr, der er war. Für wenige Momente konnte ich den jungen, ungestümen Swing-Musiker vor meinem geistigen Auge sehen.

Heute abend habe ich das Sechselüüte gesehen. Ich musste an 1988 denken. Ich war 11. Alles stimmte. Alle lebten noch. Alles war in meiner kindlichen Welt in Ordnung.

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