paula und das alter

es ist schon sehr seltsam.
während meiner und saschas grippe sind wir natürlich nicht ins toggenburg gefahren. nein! wir sind sogar danach mal wieder für zwei tage in unser lieblingshotel gereist und haben es uns gut gehen lassen. das war auch bitter nötig. ich fühle mich noch immer erschöpft. der gang in paulas haus fällt mir nicht leicht.

letzten montag jedenfalls gingen wir wieder bei ihr vorbei, nicht ohne sie vorher anzurufen, was sie noch bräuchte:

3 bananen
6 äpfel
1 pack incarom

„alles andere haben die hier. die verwöhnen mich. es hat immer genug zu essen. ich werde langsam dick.“
ich nicke durchs telephon.
ich kann nicht ausdrücken, wie froh ich bin, sie im altersheim zu wissen.
sie wird gepflegt, muss keine angst mehr haben, nachts.
keine fremden leute mehr ums haus.

sie zeigt uns ihr zimmer, als wäre es das erste mal.
„hier. das ist der barri. der ist so weich.“
sie zeigt auf den plüsch-sennenhund, den ich ihr vor jahren gekauft habe.

wir reden darüber, wie lange sie schon hier ist.
sie kann sich nicht mehr erinnern.
„weisst du denn, wie alt du im mai wirst?“
paula nickt eifrig.
„55.“
sie grinst.
„aber ich fühle mich wie 45.“

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Ein Gedanke zu “paula und das alter

  1. Ich war gestern im Altersheim in Vaduz. Hab die demente Freundin meiner Mutter getroffen und ihr versucht zu antworten auf die Frage, wie es meiner Mutter gehe. Und immer wieder erklärt, dass sie gestorben ist und immer hat sie wieder voller Freude nach meiner Mutter gefragt, es war so vertraut und sie hatte ein Hündchen einer Pflegerin zum Hüten, sass im Gang auf einer Bank, ganz allein mit dem Hund und sie hat mir erklärt, wie gut es ihr jetzt gehe, ohne Männer….es war einfach grandios, ein Pfleger schlich um uns herum und wollte sie zu Bett bringen, aber es dauerte ewig, bis er sich mal klar ausdrückte, es war 19 Uhr und er hatte 19.15 Uhr Feierabend. Den Rollator hatte sie auch irgendwo vergessen, den brachte er ihr, ich hab sie dann richtig hingestellt vor den Rollator und dann lief sie los und ich blieb dann mit Hund zurück. Ich hab ihn dann in der Küche abgeliefert, da schwatzten zwei vom Personal und bin ins Zimmer, wo meine Cousine ihr dementes Mami ins Bett gebracht hatte, Musik in voller Lautstärke und eine Katze, der es sichtlich wohl war. Schade konnten wir meine Mutter nicht auch noch dorthin zügeln, jetzt wären sie alle beisammen, das ist schon eine ungeheure Vorstellung, wo wir hier immer alle so weit voneinander entfernt sind, dass die Menschen, die mein Leben als Kind begleitet haben, da in einer Abteilung vereinigt sind.

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