paula und christophorus

omas liebster heiliger ist der st. christophorus.
eine statue steht in ihrer (und meiner) geburtsstadt.
christophorus ist ein riesenhafter mann, der das jesuskind auf seinen schultern durch die fluten trägt.
von ihm stammt der spruch: „kind, du bist so schwer, als hätte ich die last der ganzen welt zu tragen“, woraufhin das kind antwortet: „du hast den christ getragen, von jetzt an darfst du christophorus heißen.“

ich war neun, zwei wochen im spital gelegen mit deformierten hüften. nun operiert. mühsam darf ich wieder anfangen zu laufen. meine eltern bringen mich zu paula und walter ins toggenburg.
dort liege ich im bett, lerne wieder an stöcken zu gehen und lenke mich ab. meine wundheilung ist sehr schlecht. immer wieder entzünden sich meine wunden.
die treppe ins schlafzimmer ist steil. mit stöcken ist sie unüberwindbar.
paula trägt mich auf ihren schultern die treppen hinunter. ich halte sie um den hals. beim drittletzten tritt stürzt sie. und ich mit ihr.

wir tragen keine schwerwiegenden verletzungen davon, nur ein paar blaue flecken. meine wunde platzt auf. mein vater regt sich furchtbar auf, weil er denkt, dass ich nicht wieder laufen lernen will.

26 jahre später. es ist herbst. paula und ich gehen die steile treppe hinunter. ich will vor ihr laufen, denn ich habe angst, dass sie stürzen könnte. zu schwach und zu unsicher läuft sie. ich stehe vor ihr und mir treten die tränen ins gesicht.

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