erleichterung

die erste nacht seit über einem jahr schlafe ich nun in ruhe. ich habe keine albträume gehabt. glücklicherweise habe ich spätdienst, so dass ich nicht schon um sechs uhr auf muss. paula hat nun die erste nacht in ihrem pflegeheim verbracht. ich fühle mich seltsam befreit.

es ist ja nicht so, dass sie mich jeden morgen zu bett heraus geklingelt hat. aber die sorge um sie hat mir offenbar mehr zugesetzt, als ich mir zugestehen wollte. um halb zehn uhr rufe ich sie an. sie nimmt nicht ab. offenbar hat die umschaltung mit ihrer alten nummer noch nicht geklappt.
ich rufe im sekretariat an. eine pflegende nimmt ab.

sie ist ein wenig erstaunt, dass ich mich nach paula erkundige. offenbar ist das nicht usus, dass angehörige sich um ihre alten angehörigen kümmern. die pflegende wirkt etwas ratlos, meint, sie könne mir nicht sehr viel sagen. ich frage also explizit. wie hat sie geschlafen?

zu meinem erstaunen sagt die pflegende, dass paula die ganze nacht durchgeschlafen hat und erst um neun uhr überhaupt aufgewacht ist. das ist insofern verwunderlich, als dass paula seit ich sie kenne, immer um fünf uhr aufgestanden ist und die küche geputzt hat.

die pflegende erzählt schliesslich auch, dass paula sehr viel diskutiert hat, sich am abend aber trotzdem einsam fühlte und wieder nach hause wollte. sie hätten sie dann aber überzeugt, hier zu bleiben.

ich bin sehr gespannt, wie es paula geht, wenn ich sie heute nachmittag anrufe.

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4 Gedanken zu “erleichterung

  1. „aber die sorge um sie hat mir offenbar mehr zugesetzt, als ich mir zugestehen wollte.“ Der Klassiker schlechthin. Pflege von Demenzkranken rund um die Uhr ist unheimlich anstrengend. Viele Angehörige merken zu spät, wenn sie nicht mehr können. Meinen Respekt, dass du das über ein Jahr (?) durchgehalten hast… Ich wünsche dir und Paula, dass sie sich gut im Heim einlebt. Lieben Gruß von Snoopy

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  2. Ich denke man merkt immer erst im Nachhinein wie sehr es einem zugesetzt hat. Ich bin riesig froh für Dich dass Du nun etwas zu Ruhe kommen kannst und Deine Oma in guten Händen weisst.
    Ich zolle Dir auch riesig Respekt.
    Gruss

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  3. Dieses Blog ist genau für mich. Ich bin ein Demenz-Anfänger, der mit seinen Eltern ähnliches erlebt wie Zora mit ihrer Oma. Ich habe gleich alle Einträge gelesen. Sie sind traurig, schön, wunderbar klar und tun gut.

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